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Lobt den Herrn

ihr Tiere alle, wilde und zahme,ihr Kriechtiere und ihr gefiederten Vögel

Veröffentlichung:8.2.2026

Der Fachartikel „Tiere in der Bibel Israels“ von Ralf Rothenbusch ist im Heft ru-heute 01–02/2018 erschienen und umfasst die Seiten 5 bis 10. Der Beitrag zeigt die große Bedeutung der Tiere in der Lebenswelt und Theologie Israels. Behandelt werden insbesondere die Stellung der Tiere in der Schöpfung, ihre Rolle im Recht, im Kult, in der Bildsprache sowie die Frage nach dem Herrschaftsauftrag des Menschen. Zentrale theologische Probleme sind das Verhältnis von Mensch und Tier, die Auslegung des Herrschaftsauftrags, die Frage nach Gewalt und Nahrung, die Mitgeschöpflichkeit aller Lebewesen sowie die eschatologische Friedensvision zwischen Mensch und Tier.

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Der Artikel entfaltet die vielfältige Bedeutung der Tiere in der Bibel Israels vor dem Hintergrund einer agrarisch geprägten Gesellschaft. Tiere gehörten selbstverständlich zur alltäglichen Lebenswelt. Großvieh wie Rinder und Esel diente als Arbeitskraft, Kleinvieh wie Schafe und Ziegen lieferte Milch, Fleisch und Wolle. Im israelitischen Wohnhaus lebten Menschen und Tiere in engem Kontakt zusammen, wodurch eine emotionale Beziehung entstand. Dies zeigt sich etwa in der Natansparabel in 2 Samuel 12, in der ein Lamm wie ein Familienmitglied beschrieben wird, oder in Sprüche 12,10, wo der Gerechte das Bedürfnis seines Viehs kennt.

Neben den Haustieren spielten auch Wildtiere eine bedeutende Rolle. Texte wie Psalm 104 oder Jesaja 11 nennen zahlreiche Tierarten und spiegeln sowohl naturkundliches Interesse als auch konkrete Bedrohungserfahrungen wider, etwa durch Löwen oder Bären. Die Weisheitsliteratur beobachtet Tiere genau und nutzt sie als Vorbilder, etwa die Ameise als Beispiel für Fleiß. Gleichzeitig prägen Tiere die poetische Bildsprache. Feinde werden mit reißenden Löwen oder Stieren verglichen, Gott selbst erscheint in kraftvollen Tierbildern. Diese Metaphorik beruht auf realen Erfahrungen mit der Tierwelt. Tiergestaltige Götter kennt Israel zwar nicht, wohl aber Symboltiere im Kult, etwa den Stier als Machtsymbol.

Zentral ist die theologische Reflexion im ersten Schöpfungsbericht in Genesis 1. Tiere werden dort gemeinsam mit dem Menschen als Geschöpfe Gottes geschaffen und gesegnet. Der Text unterscheidet zwischen der Schaffung der Lebensräume, ihrer Ausstattung und der Erschaffung der Lebewesen. Tiere und Menschen erhalten zunächst pflanzliche Nahrung, was eine gewaltfreie Urordnung der Schöpfung voraussetzt. Erst nach der Sintflut wird der Fleischverzehr erlaubt. Der Herrschaftsauftrag des Menschen ist nicht als Freibrief zur Ausbeutung zu verstehen, sondern im Horizont des altorientalischen Königsbildes als Hirtendienst. Der Mensch soll die Schöpfung im Sinne Gottes bewahren. Der Bund nach der Sintflut schließt ausdrücklich auch die Tiere ein.

Die prophetische Friedensvision in Jesaja 11 entwirft ein endzeitliches Bild, in dem Raubtiere und Beutetiere friedlich zusammenleben. Selbst Kinder sind nicht mehr gefährdet. Diese Vision knüpft an die ursprüngliche gewaltfreie Schöpfungsordnung an und stellt eine umfassende Wiederherstellung dar.

Auch die Tora enthält zahlreiche Bestimmungen zum Schutz der Tiere. Das Sabbatgebot gewährt auch Arbeitstieren Ruhe. Der Ochse darf beim Dreschen fressen, hilflose Tiere sind aufzurichten, und selbst Wildvögel werden geschützt. Das Brachjahr kommt neben Armen auch den Tieren zugute. In den Rechtssammlungen wird differenziert über Haftungsfragen bei Schäden durch Tiere reflektiert, etwa beim stoßenden Rind. Dabei zeigen sich Parallelen zu altorientalischen Gesetzessammlungen, zugleich aber auch eigenständige Akzente wie die Verantwortlichkeit des Tieres selbst.

Im Kult spielen Tiere als Opfergaben eine wichtige Rolle. Rinder, Schafe und Ziegen dienen als Schlacht oder Brandopfer. Das Blut gilt als Sitz des Lebens. Gleichzeitig kritisieren die Propheten einen Opferkult ohne ethische Konsequenz. Speisegesetze unterscheiden reine und unreine Tiere nach bestimmten Merkmalen und strukturieren so den Alltag Israels.

Abschließend betont der Artikel die theologische Grundüberzeugung, dass alle Tiere Gott gehören. Sie stehen in Beziehung zu ihrem Schöpfer, werden von ihm versorgt und preisen ihn. Tiere sind Mitgeschöpfe des Menschen. Angesichts moderner Formen der Massentierhaltung gewinnt diese biblische Sicht neue ethische Aktualität. Die biblischen Texte fordern zu einem verantwortlichen und gerechten Umgang mit Tieren auf und erinnern an die ursprüngliche und zukünftige Friedensordnung der Schöpfung.

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