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Schuld und Sünde, Vergebung und Erlösung

Veröffentlichung:1.1.2016

Der Fachartikel von Julia Knop ist im Heft RELIGIONSUNTERRICHTheute 01/2016 unter dem Titel „Schuld und Sünde, Vergebung und Erlösung“ erschienen. Er umfasst die Seiten 10 bis 14 und damit 5 Seiten.

Der Beitrag behandelt zentrale theologische Probleme wie das Verhältnis von Freiheit und Schuld, die Unterscheidung zwischen juristischem, philosophischem, psychologischem und theologischem Schuldverständnis, die Deutung von Sünde als Beziehungsstörung zu Gott sowie die Bedeutung von Vergebung und Erlösung im christlichen Glauben.

In wenigen Sätzen zusammengefasst: Der Artikel zeigt, dass die Rede von Sünde nicht den Menschen klein macht, sondern seine Freiheit ernst nimmt. Sünde wird theologisch als Störung der Gottesbeziehung verstanden. Vergebung eröffnet dem Menschen die Möglichkeit eines Neuanfangs, sodass Schuld nicht das letzte Wort über seine Identität behält.

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Der Artikel setzt sich kritisch mit dem verbreiteten Vorurteil auseinander, das Christentum sei von einer fixierten und moralisierenden Sündenlehre geprägt. Julia Knop plädiert dafür, das anthropologische und theologische Potenzial der Rede von Schuld und Vergebung neu freizulegen. Wer von Sünde spricht, denkt nach ihrer These groß vom Menschen, weil Schuld Freiheit voraussetzt. Nur ein freies Subjekt kann schuldig werden. Damit widerspricht der Schuldbegriff reduktionistischen Menschenbildern, die den Menschen auf Natur, Biologie oder gesellschaftliche Determination verkürzen. Zugleich wird Freiheit realistisch verstanden, da sie immer in konkreten Lebensbedingungen steht. Niemand ist nur Täter, sondern immer auch Betroffener fremder Schuld und gesellschaftlicher Strukturen.

Theologisch wird dieser Freiheitsbegriff schöpfungstheologisch vertieft. Der Mensch ist als Geschöpf Gottes gedacht und bleibt auch in seiner Schuld von Gottes grundsätzlicher Gutheißung getragen. Sünde ist deshalb nicht bloß Regelverstoß, sondern Störung der Beziehung zu Gott. Sie wird als Zurückbleiben hinter dem eigenen von Gott eröffneten Lebensruf verstanden. Maßstab ist nicht ein abstraktes Gesetz, sondern das personale Gegenüber Gottes. Gottes Wille erscheint dabei nicht zuerst als Pflicht, sondern als Verheißung eines gelingenden Lebens. Christliche Ethik formuliert daher nicht nur ein Sollen, sondern ein Können, das aus der Erfahrung der Gottesbeziehung erwächst.

Im zweiten Teil differenziert Knop verschiedene Perspektiven auf Schuld. Juristisch wird Schuld als objektiv feststellbares Unrecht verstanden, das von außen zugesprochen wird. Philosophisch wird Schuld als Selbstverfehlung eines sittlichen Subjekts begriffen, das sich vor seinem Gewissen verantwortet. Psychologisch steht das Schuldgefühl im Mittelpunkt, also die subjektive Verarbeitung von Normverletzungen. Die Theologie hingegen versteht Sünde als frei verursachte Störung der Gottesbeziehung. Sie hat existenzielle Brisanz, weil sie die eigene Identität vor Gott betrifft. Sünde ist Ausdruck einer Haltung, die sich von Gott abwendet und sich selbst absolut setzt.

Besonders deutlich wird der theologische Zugriff in der Deutung der sogenannten glücklichen Schuld im Exsultet der Osternacht. Die Rede von der glücklichen Schuld meint keine Verharmlosung des Bösen, sondern bringt zum Ausdruck, dass die Sünde nicht das letzte Wort behält, weil sie durch Christus überwunden ist. Erst aus der Erfahrung der Erlösung wird die Tiefe der Sünde sichtbar. Sünde wird daher aus der Perspektive der Versöhnung verstanden. Erlösung ist nicht durch die Sünde notwendig gemacht, sondern Gottes freies Heilshandeln übersteigt und überwindet das menschliche Versagen.

Im letzten Teil reflektiert der Artikel die Sprachform der Sündenrede. Anhand von Äußerungen von Papst Franziskus wird deutlich, dass die authentische Rede von Sünde nicht in Anklage und Moralismus besteht, sondern im persönlichen Bekenntnis. Sünde wird sinnvollerweise in der ersten Person bekannt, nicht anderen zugeschrieben. In der Liturgie geschieht dies im Modus von Bitte und Vertrauen. Vergebung bedeutet, dass Schuld als reale Schuld anerkannt wird, ohne den Menschen auf seine Vergangenheit festzulegen. Sie eröffnet einen Neuanfang und ein neues Selbstverhältnis. Die eigene Schuld bleibt Teil der Biographie, bestimmt aber nicht endgültig die Identität. In der Erfahrung der Vergebung wird deutlich, dass der Mensch trotz seiner Sünde von Gottes Liebe getragen ist. So stehen Schuld und Sünde nicht isoliert, sondern im Horizont von Vergebung und Erlösung.

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