RU-digitalRU-digital-logo
1 Bild
Eulenfisch

Eulenfisch

Wunder – des aufgeklärten Glaubens ungeliebtes Kind?

Veröffentlichung:1.6.2008

Der Fachartikel ist im Heft ru heute enthalten unter dem Titel „Wunder des aufgeklärten Glaubens ungeliebtes Kind?“. Er umfasst die Seiten 9 bis 13. Der Autor argumentiert, dass biblische Wunder nicht vorschnell als bloße Symbole oder psychologische Projektionen erklärt werden dürfen, weil sonst der Wahrheitsanspruch des Glaubens entleert wird. Behandelt werden dabei zentrale theologische Probleme wie die Reduktion von Theologie auf Anthropologie, der Konflikt zwischen Vernunft und Glauben, die Frage nach Gottes Handeln in einer Welt mit innerweltlichen Gesetzmäßigkeiten, sowie das Verständnis von Schöpfung, Offenbarung und Sakrament als reale Gotteswirklichkeit und nicht als religiöse Zusatzlyrik.

restricted content

Nach Registrierung auf www.eulenfischplus.de erhält man kostenlosen Zugriff auf die Inhalte.

Products

Der Artikel setzt bei dem verbreiteten Misstrauen gegenüber Wundern an, das sowohl in säkularer als auch in aufgeklärt theologischer Form auftritt. Wunder gelten vielen als fromme Projektion, als Autosuggestion oder als peinlicher Rest irrationalen Denkens. In einer religiösen Variante wird zusätzlich behauptet, Wunder ersetzten lebendiges Vertrauen durch unmittelbare Erfahrungen und seien damit ein gefährlicher Ersatz für Glauben. Der Autor kritisiert, dass biblische Wundererzählungen in diesem Denken häufig spiritualisiert werden, indem man sie nur noch als Symbolgeschichten liest, die einen inneren Vorgang oder eine psychologische Veränderung meinen sollen. Dadurch entstehe eine Theologie des Uneigentlichen, die zwar von Sinn und menschlichem Nutzen spricht, aber der Wahrheitsfrage ausweicht. Genau hier sieht der Autor eine pädagogisch und theologisch heikle Konsequenz, weil Lernende dann zu Recht fragen können, ob überhaupt noch etwas geschehen ist oder ob Gott am Ende nur noch als Metapher für menschliche Erfahrungen übrig bleibt. Das kollidiere mit dem Anspruch des Glaubensbekenntnisses, das nicht bloß poetische Deutung sein will, sondern Aussage über Gottes geschichtliche Wirklichkeit.

Im nächsten Schritt wendet sich der Artikel gegen eine Vernunft, die sich selbst für aufgeklärt hält, aber heimlich festlegt, was wirklich sein darf. Sie staunt über technische Leistungen, erklärt aber andere Formen erstaunlicher Erfahrung vorschnell für irrelevant. Theologische Vernunft müsse dagegen Texte ernst nehmen, die grundsätzlich mit mehr rechnen als mit subjektiven Voraussetzungen und vermeintlich geschlossenen Naturgesetzen. Dieses Mehr ist biblisch Gott, der sich in der Geschichte zeigt und als Schöpfer die Welt überhaupt ermöglicht. Wer darauf verzichtet, müsse die biblischen Aussagen insgesamt zur Metapher machen, was den Texten Gewalt antue. In diesem Zusammenhang erinnert der Autor an Entmythologisierung, die das Theologische auf Anthropologisches reduziert, und an neuere pluralistische Religionstheologien, die allen Religionen letztlich nur noch den Charakter verschiedener Deutungen des allgemein Menschlichen zugestehen. Auch hier drohe, dass konkrete Offenbarung und Verbindlichkeit verschwinden und nur ein unbestimmter, verborgen gedachter Gott übrig bleibt.

Dem stellt der Autor seine Grundthese entgegen: Schöpfung und Offenbarung, Sakrament und Wunder sind keine zeitbedingten Ausdrucksweisen, sondern beziehen sich auf die wirklichste Wirklichkeit, auf Gott selbst. Aus dieser Perspektive wird die Schöpfung als Urwunder beschrieben, weil die Welt nicht notwendig ist und nicht aus sich selbst heraus verständlich ist. Wer fragt, warum überhaupt etwas ist und nicht vielmehr nichts, artikuliert Staunen über Kontingenz. Die biblische Antwort lautet, dass die Welt ist, weil Gott sie will, und dass sie geschaffen ist. Daraus folgt, dass die Welt von Anfang an relational auf Gott bezogen ist und nicht wie ein geschlossenes Uhrwerk verstanden werden darf. Der Autor grenzt sich sowohl von einem deistischen Modell ab, das Gott außerhalb der Welt hält und nur gelegentliche Reparaturen annimmt, als auch von einem erkenntnistheoretischen Modell, das die Welt nur unter den Bedingungen des erkennenden Subjekts ordnet und für Schöpfung und Wunder methodisch keinen Platz lässt. Stattdessen betont er mit Bezug auf klassische Theologie, dass Gott nicht an innerweltlichen Ursachen vorbei handelt, sondern mit ihnen. Schöpfung ist daher kein abgeschlossener Startpunkt, sondern ein fortdauernder Prozess.

Auf dieser Grundlage fragt der Artikel, ob und wie Gott sich mitteilen kann. Offenbarung wird dabei ausdrücklich nicht als Instruktion verstanden, die neue Wissensinhalte liefert, sondern als Selbstmitteilung Gottes. Gott teilt nicht bloß etwas mit, sondern sich selbst, indem er einen Bund schließt und Menschen als Partner anspricht. Dadurch wird aus dem Menschen etwas, was er aus sich nicht machen könnte, nämlich ein Gegenüber Gottes, das beim Namen gerufen ist und antworten soll. Diese Sicht korrigiert auch Missverständnisse, die Glauben als religiösen Luxus oder als dekoratives Zusatzstockwerk über einer sonst vollständigen menschlichen Natur erscheinen lassen. Offenbarung ist nicht überflüssige Verzierung, sondern eine Beziehung, die den Menschen ernst nimmt und ihn verwandelt.

Von hier führt der Autor zum Sakrament. Wenn Gott sich bindet und Menschen bindet, entsteht eine neue gemeinsame Wirklichkeit. Sakramente sind daher nicht bloße Zeichen, die nur auf Abwesendes verweisen, und auch nicht lediglich feierliche Etiketten für ohnehin vorhandene Lebensriten. Sie bewirken, was sie bezeichnen, und genau darin liegt ihr Wundercharakter. Der Autor kritisiert eine verbürgerlichte Praxis, in der Taufe, Firmung, Trauung und Eucharistie auf Familienfeier, Mündigkeitsritual oder Gruppenfest reduziert werden. Sakramentales Handeln soll nach seiner Sicht nicht den Alltag religiös verdoppeln, sondern etwas Neues eröffnen und echte Veränderung ermöglichen, weil Gott nicht außerhalb der Welt bleibt.

Schließlich deutet der Artikel die biblischen Wundererzählungen als Zeugnisse des Handelns Gottes. Wunder sind nicht als Spektakel, Trick oder Machtdemonstration zu verstehen, und auch nicht als Mittel, Menschen ohne Glauben zu zwingen. In den Heilungs und Befreiungserzählungen wird vielmehr Gottes Kraft sichtbar, die auf den Ursprung der Schöpfung verweist und als Zeichen seiner Herrschaft verstanden wird. Das Wunder antwortet oft auf glaubendes Bitten und setzt ein Eingeständnis von Bedürftigkeit voraus, in dem der Mensch sich Gott anvertraut. Dabei geht es nicht nur um innere Einstellungen, sondern um den ganzen Menschen. Zugleich hält der Autor fest, dass im Einzelfall exegetisch zu klären bleibt, ob ein Text ein Ereignis als Wunder bezeugt oder ein Geschehen in wunderbarer Deutung erzählt. Aber in beiden Fällen dürfe das biblische Zeugnis nicht leichtfertig wegerklärt werden, weil sonst der Kern der Schrift verloren geht, nämlich die Rede von Gottes wunderbarem Handeln als Schöpfer, Offenbarer und Erlöser. Am Ende plädiert der Autor dafür, Vernunft und Glauben nicht gegeneinander auszuspielen. Beide beginnen mit Staunen über die Wirklichkeit. Wer Wunder grundsätzlich ausschließt, verengt Vernunft zu einem bequemen Alltagsrationalismus. Wer dagegen Gott als lebendig denkt, muss damit rechnen, dass Welt und Menschen sich verändern, wenn Gott an ihnen und mit ihnen handelt.

Hessen

Hessen

Sekundarstufe II | E1 Religion und Mensch in einer pluralen Welt

E1.3 Aspekte christlicher Anthropologie.

Rheinland-Pfalz

Rheinland-Pfalz

Sekundarstufe II | 11/1 Was ist der Mensch?

11.1 / 5. Der Mensch und seine Religiosität.

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell, während andere uns helfen, diese Website und Ihre Erfahrung zu verbessern Datenschutz.