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Jesus und Darwin

Veröffentlichung:1.1.2010

Der Fachartikel ist im Heft ru heute unter dem Titel „Jesus und Darwin. In der Kirche der Gottlosen werden die Kartoffeln mit Kohlendioxid geröstet“ enthalten. Der Beitrag von Eckhard Nordhofen umfasst soweit aus dem vorliegenden Auszug erkennbar 1 Seite, S. 79. Der Artikel behandelt grundlegende theologische Probleme im Verhältnis von Schöpfung und Evolution, Bibel und Naturwissenschaft, Ursache und Grund, Naturalismus und Monotheismus sowie die Frage, ob Sinnfragen nach Gott und Wirklichkeit vernünftig und notwendig bleiben. Im Zentrum steht die These, dass Naturwissenschaft und Theologie verschiedene Ebenen der Wirklichkeit erschließen und deshalb nicht gegeneinander ausgespielt werden dürfen.

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Der Artikel von Eckhard Nordhofen bespricht Hans Kesslers Buch Evolution und Schöpfung in neuer Sicht und stellt dessen Grundgedanken für die theologische und naturwissenschaftliche Debatte dar. Ausgangspunkt ist die oft zugespitzte Gegenüberstellung von Bibel oder Wissenschaft. Diese Alternative hält der Autor für unerquicklich und überholt. Er macht deutlich, dass die christliche Theologie diese scheinbare Konkurrenz schon lange überwunden hat, weil biblische Schöpfungstexte nicht als naturwissenschaftliche Berichte gelesen werden müssen, sondern als sprachliche und symbolische Ausdrucksformen eines theologischen Kerns.

Zur Veranschaulichung greift Nordhofen ein Beispiel von Hans Kessler auf. Auf die Frage, warum ein Feuer brennt, lassen sich verschiedene richtige Antworten geben. Man kann naturwissenschaftlich antworten und die chemische Reaktion benennen, man kann auf die Handlung des Menschen verweisen, der das Feuer entzündet hat, oder auf den Zweck, Kartoffeln zu rösten. Das Beispiel zeigt, dass Wirklichkeit auf verschiedenen Ebenen erklärt werden kann. Kessler kritisiert damit einen Naturalismus, der meint, nur naturwissenschaftliche Aussagen seien gültig und sinnvoll. Der Autor unterstützt diese Kritik und betont, dass der naturwissenschaftliche Diskurs kein Monopol auf die Deutung der Wirklichkeit besitzt.

Nordhofen erinnert daran, dass die Debatte um Evolution und Schöpfung besonders im Darwinjahr wieder öffentlich aufflammte. Charles Darwin wurde von manchen zum Symbol einer gottlosen Weltsicht gemacht. Gleichzeitig stehen ihm kreationistische Fundamentalisten gegenüber, die die biblische Schöpfungsgeschichte als wörtlichen Tatsachenbericht lesen. Für Nordhofen sind beide Seiten hermeneutisch unempfindlich. Sowohl Richard Dawkins als auch seine fundamentalistischen Gegner verfehlen den angemessenen Umgang mit Texten und Wirklichkeit. Der Autor sieht den neuen Streit vor allem als amerikanischen Import, weil biblischer Fundamentalismus in Deutschland traditionell kaum dieselbe Bedeutung habe.

Besonders problematisch erscheint ihm der Versuch, naturwissenschaftliche und theologische Aussagen unsauber zu vermischen. Dazu zählt einerseits der Kreationismus, der die Bibel als naturkundliche Chronik liest, andererseits aber auch das Modell des Intelligent Design. Dieses versucht, Gott naturwissenschaftlich als lenkende Ursache für Entwicklungssprünge oder komplexe Prozesse einzuführen. Gerade darin sieht Nordhofen mit Kessler einen grundlegenden Fehler. Theologie darf nicht dort einspringen, wo naturwissenschaftliche Erklärungen Lücken haben, und Naturwissenschaft darf nicht so auftreten, als könne sie letzte Sinnfragen beantworten.

Die Stärke von Kesslers Buch liegt für Nordhofen genau in dieser Klärung der Diskurse. Kessler kritisiert nicht nur naturalistische Verengungen, sondern ebenso entschieden alle Vermischungen von Naturwissenschaft und Theologie. Diese doppelte Kritik macht für den Rezensenten die Qualität des Buches aus. Kessler zeige wissenschaftstheoretisch fundiert, wo die Grenzen empirischer Naturwissenschaft liegen und wo die philosophisch theologische Erschließung menschlicher Wirklichkeit beginnt. Daraus ergibt sich zugleich eine neue und eindrucksvolle Formulierung des biblischen Monotheismus.

Ein wichtiger Gedanke Kesslers ist dabei das von Werner Heisenberg inspirierte Schichtenmodell der Wirklichkeit. Wirklichkeit besteht demnach aus verschiedenen Ebenen, die jeweils eigene Zugänge und Fragestellungen verlangen. Der Schöpfungsgedanke darf deshalb nicht auf Spekulationen über einen ersten Anfang reduziert werden. Die Frage nach dem ersten Beweger kann der Theologe durchaus der Physik überlassen. Entscheidend ist vielmehr die Unterscheidung von Ursache und Grund. Kessler fragt nicht nach dem ersten Glied innerhalb einer Kette von Ursachen, sondern nach dem Grund der ganzen Wirklichkeit. Damit verschiebt sich die Perspektive. Schöpfung wird nicht als punktuelles Anfangsereignis verstanden, sondern als grundlegender Sinn und Grund des Ganzen.

Nordhofen beschreibt Kessler deshalb als Fundamentaltheologen, also als Denker, der nach den Bedingungen von Erkenntnis und Wirklichkeit fragt. Der Streit um Evolution und Schöpfung ist für ihn nicht zuerst biologisch und auch nicht unmittelbar dogmatisch, sondern eine Frage nach der Wirklichkeit selbst. Dahinter steht die noch grundlegendere Frage, ob es vernünftig ist, überhaupt Sinnfragen zu stellen. Die Leitfrage lautet, warum überhaupt etwas ist und nicht vielmehr nichts. Diese Frage verbindet die theologische Debatte mit der großen philosophischen Tradition von Parmenides bis Heidegger.

Der Artikel betont außerdem, dass Begriffe wie Metaphysik und Ontologie zwar oft für überholt erklärt wurden, die dahinterstehenden Fragen aber nicht verschwunden sind. Gerade in der Auseinandersetzung mit dem menschlichen Bewusstsein, mit Freiheit, Gott, Unsterblichkeit und dem Wesen des Menschen brechen sie immer wieder auf. Nordhofen knüpft damit an Kant an und zeigt, dass die großen Fragen des Menschseins auch im naturwissenschaftlichen Zeitalter nicht erledigt sind. Ein Fundamentaltheologe muss daher für einen weiten Horizont des Denkens eintreten und gegen jedes Frageverbot anarbeiten.

Am Ende würdigt der Autor Hans Kesslers Buch als Frucht einer jahrzehntelangen intensiven Beschäftigung mit den Naturwissenschaften. Kessler diskutiere nicht nur Grundsatzfragen, sondern gehe auch auf Einzelprobleme der Debatte ein. Seine Verhältnisbestimmung von Naturwissenschaft und Theologie erscheint Nordhofen als eine moderne Aufklärungsschrift. Dass ein solches Buch heute noch nötig und aktuell ist, wirkt auf ihn zugleich bemerkenswert und bezeichnend. Insgesamt versteht der Artikel das Buch als wichtigen Beitrag dazu, die Debatte um Evolution und Schöpfung sachlich zu klären, den theologischen Schöpfungsgedanken neu zu profilieren und die Offenheit für Sinn und Wirklichkeitsfragen wachzuhalten.

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