RU-digitalRU-digital-logo
1 Bild
Eulenfisch

Eulenfisch

Heillos verstrickt, aber prinzipiell heilbar

Veröffentlichung:1.1.2010

Der Fachartikel „Heillos verstrickt, aber prinzipiell heilbar“ ist im Heft ru-heute erschienen und umfasst ca. 6 Seiten. Der Beitrag beschäftigt sich mit der theologischen Frage nach der Gier des Menschen und deren Bedeutung im christlichen Menschenbild. Ausgehend von der biblischen Sündenfallgeschichte wird erläutert, dass der Mensch nach theologischer Auffassung zur Maßlosigkeit und Begierde neigt. Zugleich behandelt der Artikel die zentrale theologische Hoffnung, dass der Mensch durch Gottes Gnade und besonders durch Christus von dieser Verstrickung erlöst werden kann.

restricted content

Nach Registrierung auf www.eulenfischplus.de erhält man kostenlosen Zugriff auf die Inhalte.

Products

Der Artikel beschreibt die Gier als grundlegende menschliche Erfahrung und verbindet diese Beobachtung mit der theologischen Deutung des Sündenfalls. Nach der katholischen Dogmatik lebten die ersten Menschen ursprünglich in einem Zustand der Urstandsgerechtigkeit, in dem ihr Leben auf Gott ausgerichtet war. Durch die Versuchung der Schlange verloren sie diesen Zustand und fielen in die Begierde, die in der Theologie als concupiscentia bezeichnet wird. Seitdem ist der Mensch zwar weiterhin Teil der Natur, besitzt aber zugleich ein geistiges Vermögen. Gerade diese Vernunft führt dazu, dass der natürliche Selbsterhaltungstrieb in Maßlosigkeit umschlagen kann. Der Mensch sucht immer mehr Reichtum, Sicherheit, Macht, Anerkennung und Liebe, ohne jemals ein endgültiges Genug zu finden.

Die biblische Erzählung vom Sündenfall wird als Erklärung für diese menschliche Maßlosigkeit gedeutet. Die Schlange steht dabei symbolisch für die Versuchung, das Begehrenswerte nachzuahmen und zu besitzen. Menschen orientieren sich stark an dem, was andere begehren. Dadurch entsteht Konkurrenz um knappe Güter und eine Dynamik der Steigerung. Diese Dynamik zeigt sich nicht nur im individuellen Verhalten, sondern auch in gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Strukturen. Institutionen können menschliche Begierden aufnehmen und verstärken, sodass systemische Zwänge entstehen. Beispiele dafür sind wirtschaftliche oder politische Systeme, in denen einzelne Personen zwar moralische Bedenken haben können, aber dennoch gezwungen sind, nach den Regeln eines auf Wachstum und Gewinn ausgerichteten Systems zu handeln.

Der Artikel beschreibt auch, dass Scham ursprünglich eine Reaktion auf den Verlust der ursprünglichen Gottesbeziehung war. In der heutigen Gesellschaft wird Scham jedoch teilweise selbst zum Bestandteil von Unterhaltung und Vergnügen. Dadurch wird sogar die Scham in die Logik der Steigerung und Maßlosigkeit einbezogen.

Historisch wurde die Gier in der christlichen Tradition als Wurzel vieler anderer Laster verstanden. Der Kirchenvater Gregor der Große betrachtete sie als Mutter der Hauptlaster wie Hochmut, Geiz, Neid oder Völlerei. Gier steht im Gegensatz zu den klassischen Tugenden Gerechtigkeit, Klugheit, Tapferkeit und Maß. Viele kulturelle Normen, Gesetze und Erziehungssysteme versuchen daher, die menschliche Gier zu begrenzen. In der modernen Gesellschaft wird diese Begrenzung jedoch zunehmend aufgegeben, weil wirtschaftliches Wachstum gerade auf der Steigerung von Bedürfnissen beruht.

Die christliche Theologie unterscheidet sich jedoch von anderen Formen menschlicher Weisheit dadurch, dass sie nicht nur die Realität der Begierde beschreibt, sondern auch eine Hoffnung auf Veränderung formuliert. Nach katholischer Lehre ist die Neigung zur Sünde zwar stark, aber nicht unüberwindbar. Durch Christus erhält der Mensch die heiligmachende Gnade zurück, die es ihm ermöglicht, die Macht der Begierde zu überwinden. Diese Gnade wird nach kirchlichem Verständnis besonders in den Sakramenten und im Gottesdienst vermittelt.

Der Gottesdienst wird im Artikel als Raum beschrieben, in dem die Herrschaft der Gier symbolisch aufgehoben wird. Die Liturgie richtet menschliche Sehnsucht nach Unendlichkeit nicht auf Reichtum oder Macht, sondern auf Gott. Das Begehren wird nicht unterdrückt, sondern auf das wahrhaft Gute gelenkt. In der Eucharistie erhält der Mensch etwas, das er sich selbst nicht beschaffen kann, und kann dadurch zur Ruhe kommen. Auch das Bekenntnis der eigenen Schuld im Bußakt durchbricht die Tendenz, sich nur an anderen zu orientieren. Gleichzeitig wird im Glauben die Konkurrenzlogik relativiert, weil Menschen als Töchter und Söhne Gottes verstanden werden.

Schließlich beschreibt der Artikel das christliche Heilsgeschehen als Wandlung. Die menschliche Natur wird nicht abgeschafft, sondern durch die Gnade Christi verwandelt. Die Kräfte der Selbsterhaltung bleiben bestehen, werden jedoch auf Gott hin ausgerichtet. So wie Brot und Wein in der Eucharistie verwandelt werden, soll auch das menschliche Leben in eine neue Beziehung zu Gott geführt werden. Der Mensch bleibt zwar von Gier bedroht, ist aber nach christlichem Verständnis grundsätzlich heilbar.

Hessen

Hessen

Sekundarstufe II | E1 Religion und Mensch in einer pluralen Welt

E1.3 Aspekte christlicher Anthropologie.

Rheinland-Pfalz

Rheinland-Pfalz

Sekundarstufe II | 11/1 Was ist der Mensch?

11.1 / 2. Der Mensch und seine Mitmenschen.

11.1 / 3. Der Mensch und seine Verantwortung.

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell, während andere uns helfen, diese Website und Ihre Erfahrung zu verbessern Datenschutz.