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Religionspädagogische BeiträgeBurkard Porzelt

Religionspädagogische Beiträge,

Burkard Porzelt

Differenz oder Vereinnahmung?

Veröffentlichung:1.5.2019

Der Artikel kritisiert die übersteigerte Stilisierung der Jugendtheologie zu einem religionspädagogischen Leitkonzept. Porzelt argumentiert, dass eine hypertrophe Jugendtheologie die Glaubenstradition einseitig intellektualisiert, die Mehrperspektivität des Religionsunterrichts gefährdet und die legitime Differenz unterschiedlicher Daseinsdeutungen ignoriert. Er plädiert stattdessen für eine Hermeneutik der Differenz.

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Burkard Porzelt setzt sich kritisch mit der aktuellen Tendenz auseinander, Jugendtheologie als Leitkonzept des Religionsunterrichts zu stilisieren. Der Artikel entfaltet drei zentrale Thesen: Erstens gehört theologische Reflexion zum christlichen Glauben selbst und ist daher im Religionsunterricht sinnvoll. Zweitens wird bei einer Überbetonung der Jugendtheologie als religionspädagogisches Leitkonzept die Glaubenstradition einseitig intellektualisiert, die Mehrperspektivität des Faches torpediert und die Differenz legitimer Daseinsdeutungen ignoriert. Drittens bedroht eine hypertrophe Jugendtheologie die Integrität des schulischen Religionsunterrichts. Der Autor analysiert vier zentrale Aporien einer hypertrophen Jugendtheologie: (1) Sie operiert mit konfuser Begrifflichkeit, indem Autoren wie Freudenberger-Lötz, Schlag und Schweitzer den Theologiebegriff zu weit fassen und quasi-philosophische Fragen als theologisch klassifizieren. (2) Sie vereinseitigt die christliche Glaubenstradition durch Reduktion auf reflexive Theologie, wodurch andere konstitutive Dimensionen des Glaubens (Ästhetik, Narration, Doxologie, Ethik, Ritual) vernachlässigt werden. (3) Sie torpediert die Mehrperspektivität des Religionsunterrichts, indem alternative Deutungshorizonte ausgeblendet und jedwedes Thema über den Leisten des christlich-theologischen Sprachspiels geschlagen wird. (4) Sie missachtet die Differenz legitimer Existenzdeutungen, indem jugendliche Äußerungen in theologische Syntax und Semantik gezwungen werden. Porzelt unterstreicht, dass eigenes Theologisieren Schülerinnen und Schülern zwar hilfreiche Wege bahnen kann, um die Syntaktik, Semantik und Pragmatik des Glaubens zu erschließen. Dies erfordert jedoch eine prozessuale Struktur des Lernens und die Unterscheidung zwischen Theologie im engeren Sinne und Glaubensreflexion. Ein Religionsunterricht, der die christliche Glaubenstradition kommunikabel machen möchte, bedarf einer Hermeneutik der Differenz, die „Sinn und Bedeutung des jeweils Fremden im Horizont des Fremden selbst" aufzuspüren sucht. Nur so können Schülerinnen und Schüler mit verschiedensten subjektiven Überzeugungen die christliche Überlieferung kennen und verstehen lernen sowie ihrer eigenen Suche nach Sinn nachgehen.

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