Der Artikel von Carola Fleck widmet sich der Frage, wie religiöse Bildung und Erziehung in der Frühpädagogik zur Kompetenzentwicklung von Kindern beiträgt. Zentral ist die Frage, welche Kompetenzen Kinder benötigen, um in einer multikulturellen und multireligiösen Welt angemessen handeln zu können. Der Artikel gliedert sich in mehrere Teile: Zunächst werden die Rolle und Funktion der Religionspädagogik analysiert. Diese nimmt neben ihrer analysierenden, stimulierenden und integrierenden Funktion auch eine ideologiekritische Funktion wahr. Sie hinterfragt Erziehungswirklichkeit und -gewohnheiten sowie religiös und kirchlich favorisierte Familienbilder und Wertesysteme vor dem Hintergrund aktueller Lebenswirklichkeit von Familien. Im zweiten Teil werden gesellschaftliche, politische und kirchliche Kontexte beleuchtet. Der Autor analysiert einschlägige religiöse Sozialisationsfaktoren im Kindergartenalter (Familie, Kindergarten, Kirchengemeinde, Massenmedien) und untersucht deren Bedeutung für religiöse Bildung. Kirchliche Positionen zur Frühpädagogik werden anhand von Aussagen der katholischen und evangelischen Kirche sowie kirchlicher Verbände dargestellt. Der dritte Abschnitt befasst sich mit der Rolle der Bildungspläne der Bundesländer und zeigt auf, dass religiöse Bildung in vielen Plänen nur unzureichend berücksichtigt wird. Der Artikel fordert eine stärkere Implementierung religiöser Bildungsanliegen in diese Pläne. Ein großer Schwerpunkt liegt auf Modellen religiöser Erziehung und Bildung im Kindergarten. Der Autor unterscheidet zwischen explizit christlich-religiösen, implizit christlich-religiösen und integrativen Modellen und diskutiert verschiedene Ansätze (RPP nach Franz Kett, Theologisieren mit Kindern, Dimensionaler Ansatz, Kindertheologie). Weiterhin werden Forschungsergebnisse der Bezugswissenschaften (Frühpädagogik, Psychologie, Neurowissenschaften, Theologie) herangezogen, die zeigen, welche Bedeutung religiöse Bildung für die Entwicklung von Kindern hat. Besonders relevant sind Erkenntnisse zu Resilienz, neurobiologischen Grundlagen von Wertesystemen und entwicklungspsychologischen Aspekten. Der Artikel präsentiert konzeptionelle Überlegungen für religionspädagogische Praxismodelle, die theologische, pädagogische, religionspädagogische und didaktische Gesichtspunkte integrieren. Dabei werden zwei Schwerpunkte identifiziert: Ko-Konstruktives Lernen im Kindergarten und religiöse Bildungsprozesse auf allen Ebenen gestalten. Abschließend werden Zukunftsperspektiven aufgezeigt: bildungspolitisch die Förderung universitärer frühpädagogischer Studiengänge, gesellschaftspolitisch die Sicherung von Bildungsgerechtigkeit, kirchlich die Stärkung des diakonischen Selbstverständnisses und der Dialog zwischen Theologie und Pädagogik. Der Autor betont die Bedeutung der drei Gruppen Erzieher/-innen, Eltern und Kinder und plädiert für eine umfassende Persönlichkeitsbildung durch religiöse Bildung.