Der Artikel behandelt die Zukunft des interreligiösen Lernens im schulischen Religionsunterricht in Deutschland. Nach einer Darstellung der Forschungsgeschichte seit 1995 präsentiert der Autor vier etablierte Modelle interreligiösen Lernens: (1) Religionskunde als Wissensvermittlung über Religionen; (2) Projektarbeit mit Exkursionen und Begegnungen; (3) Dialogischer Religionsunterricht wie in Hamburg mit mehrperspektivischer Berücksichtigung verschiedener Traditionen; (4) Religionskooperativer Unterricht mit separaten Lerngruppen und Phasen gemeinsamen Unterrichts. Der Autor entwickelt dann drei Thesen zur Zukunft: These 1 besagt, dass religiöse und interreligiöse Bildung stärker durch regionale Kontexte geprägt sein wird, da die konfessionelle Struktur des deutschen Religionsunterrichts zunehmend unterlaufen wird. These 2 betont, dass die Schulform entscheidend ist – Gymnasien werden eher konfessionellen Unterricht bewahren, während Gesamt-, Haupt- und Berufsschulen vermehrt auf dialogische oder multireligiöse Formate setzen. These 3 prognostiziert, dass komplexe hybride Modelle (konfessionell-kooperativ, Religionsunterricht für alle 2.0, religionskooperativ) aufgrund ihrer organisatorischen Komplexität wenig Chancen haben. Die Schlüsselrolle liegt bei den Lehrkräften, die religionssensible Wahrnehmung, entsprechende Kompetenzen und persönliche Haltungen entwickeln müssen, um in unterschiedlichen Formaten interreligiöse Bildung zu ermöglichen. Der Autor schlussfolgert, dass nicht die Organisationsform, sondern die Professionalität und Haltung der Religionslehrerinnen und -lehrer entscheidend ist.