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Religionspädagogische BeiträgeHenrik SimojokiKonstantin LindnerLaura PflaumMagdalena Endres

Religionspädagogische Beiträge,

Henrik Simojoki,

Konstantin Lindner,

Laura Pflaum,

Magdalena Endres

Wie der konfessionelle Religionsunterricht vor Ort gestaltet wird

Veröffentlichung:1.5.2019

Der Artikel präsentiert einen Bottom-up-Ansatz zur Analyse lokaler Organisationspraktiken des konfessionellen Religionsunterrichts an Berufsschulen. Basierend auf qualitativen Daten des StReBe-Schulprojekts werden zentrale Herausforderungen konturiert, die sich bei der Organisation von Religionsunterricht vor Ort stellen. Der Fokus liegt auf multiperspektivischen Befunden von Religionslehrkräften, Schulleitungen und Schülern. Die Ergebnisse zeigen das Potenzial kooperativer Organisationsformen zur Reduktion organisatorischer Komplexität.

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Der Artikel behandelt die Implementierung konfessionell-kooperativen Religionsunterrichts an bayerischen Berufsschulen und kritisiert die bisherige Top-down-Logik dieser Prozesse. Die Autoren argumentieren für einen Bottom-up-Zugang, der lokale Organisationspraktiken in den Mittelpunkt stellt. Das StReBe-Projekt (Stärkung des konfessionellen Religionsunterrichts an Berufsschulen) wird als Beispiel dieser Herangehensweise präsentiert. Die wissenschaftliche Begleitung erfolgte durch qualitativ-empirische Forschung mit Mixed-Methods-Design: teilnehmende Beobachtungen, leitfadengestützte Experteninterviews mit Religionslehrkräften und Schulleitungen sowie Fokusgruppeninterviews mit Schülern. Die Datenauswertung folgte der qualitativen Inhaltsanalyse nach Kuckartz. Zentrale identifizierte Herausforderungen sind: (1) Religions- und Konfessionsdemografischer Wandel durch kontinuierliche Pluralisierung der Schülerschaft, (2) schulartspezifische Faktoren wie Teilzeit- und Blockunterricht, die Stundenplanung erschweren, (3) konfessionelle Majoritäts-Minoritäts-Konstellationen, besonders in Bayern, (4) personelle Herausforderungen durch Lehrkräftemangel und die spezielle Rolle kirchlicher Religionslehrkräfte, (5) komplexe Beziehungen zum Ethikunterricht und dessen unzureichende Ausstattung, (6) administrative Hürden bei Schülerwechsel zwischen konfessionellen Unterrichten. Die Befunde zeigen, dass diese Herausforderungen wechselseitig verstärken und nicht isoliert gelöst werden können. Zwar war konfessionelle Kooperation nicht explizites Ziel aller Projektschulen, doch zeigen die Daten deren Potenzial zur Komplexitätsreduktion. Die Autoren plädieren für das KISS-Prinzip (so einfach wie möglich, so komplex wie nötig) und empfehlen, kooperative Modelle nicht zusätzlich zu verkomplizieren. Sie fordern eine stärkere Berücksichtigung der Graswurzelebene bei Weiterentwicklung von Religionsunterricht, bessere Integration von Ethikunterricht und verstärkte Aufmerksamkeit für administrative Zusammenhänge mit Schulleitungen und Klassenlehrer*innen.

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