Die Einleitung behandelt die Herausforderung, religiöse Kontroversen in Schulen als öffentliche Institutionen liberaler Demokratien zu bewältigen. Sie analysiert die Spannung zwischen ideologischer Neutralität und der Verteidigung liberal-demokratischer Werte. Religiöse Kontroversen manifestieren sich in konkreten schulischen Fragen wie Gebetsräumen, Kopftüchern für Lehrkräfte, Schwimmunterricht oder Sexualaufklärung. Das Sonderheft systematisiert bislang isoliert behandelte Diskurse zu einem integrativen internationalen Forschungsfeld. Es baut auf zwei Forschungsprojekten auf: dem DIKo-Projekt zu Islam-Kontroversen (2023–2025) und dem KoTheRU-Projekt zu kontroversen Themen im konfessionellen Religionsunterricht (2023–2027). Die Publikation organisiert ihre Inhalte in fünf Teilen: (1) grundlegende theoretische Perspektiven aus Politikwissenschaft, Philosophie und Theologie; (2) pädagogisch-didaktische Perspektiven aus deutschsprachigen Kontexten; (3) internationale Perspektiven aus Norwegen, Großbritannien und der Schweiz/Israel; (4) eine exemplarische akademische Debatte zu Wokeness; (5) ein Epilog zu globalem Forschungsfeld am Beispiel der Demokratischen Republik Kongo. Der Band betont die Bedeutung von Positionialität in der religiösen Bildung und zeigt, wie denominationelle und nicht-denominationelle Ansätze unterschiedliche Chancen und Grenzen für den Umgang mit Kontroversen bieten. Die Beiträge verdeutlichen, dass religiöse Fragen notwendigerweise kontrovers sind und dass die pädagogische Bearbeitung dieser Kontroversen zentral für demokratische Bildung in pluralen Gesellschaften ist.