Der Artikel widmet sich einer othering-sensiblen und postkolonialitätsbewussten Analyse des Begriffs „Weltreligionen" und der damit einhergehenden Didaktik der Weltreligionen. Die Autorin identifiziert drei zentrale Problematiken: (1) Das Christentum in protestantischer Lesart fungiert als unhinterfragte Vergleichsfolie zur Bemessung anderer Religionssysteme, was sich in religionspädagogischen Materialien durch einseitig aus dem Christentum gezogene Vergleichskategorien manifestiert. (2) Der Taxonomierungsschub des 19. Jahrhunderts führte zur Etablierung von Standards, die bestimmte Religionen ausschließen und andere hierarchisieren; dies wirkt sich in komparativen theologischen Ansätzen fort, die unreflektiert Kommensurabilitätsunterstellungen treffen. (3) Die Reifizierung und Verallgemeinerung von Religion führt zu Homogenisierung, Kollektivierung und Essentialisierung, besonders sichtbar bei der Darstellung des Hinduismus und Islam in Schulbüchern. Die Autorin verschränkt diese Erkenntnisse mit Einsichten aus der Migrationspädagogik (Paul Mecheril, Oscar Thomas-Olalde) zur Analyse von „religiösem Othering" und der interkulturellen Theologie (Britta Konz). Sie betont, dass westlich-akademische Theologie ihre Partikularität anerkennen und andere Theologien in ihren unterschiedlichen Artikulationsmodi wahrnehmen muss. Abschließend entwickelt die Autorin eine Checkliste von neun „Must attends" für postkolonialitätsbewusste religiöse Lern- und Bildungsprozesse: (1) Markierung der eigenen Sprecher*innenposition; (2) inhaltliche Multiperspektivität; (3) Einbezug von „Religions-Stuff"; (4) Vielstimmigkeit von Religionszugehörigen; (5) Raum für subalterne Stimmen und Storytelling; (6) Betonung von Agency; (7) Bewusstsein für „VerAnderungspraxen" und Subjektivierung von Religion; (8) Schaffung von „Kontaktzonen" und Arbeit an Crossover-Phänomenen; (9) Abschied vom „Interreligiösen" im Sinne einer Gleichgültigkeit zugunsten einer Kultur der gegenseitigen Anerkennung als erweiterter Lerngemeinschaft.