RU-digitalRU-digital-logo
1 Bild
Bistum MainzRU Heute

Bistum Mainz,

RU Heute

Zur Freiheit hat uns Christus befreit

Veröffentlichung:1.1.2008

Das Heft Religionsunterricht heute 02/2008 steht unter dem Leitthema „Wenn jemand in Christus ist …“ und wurde anlässlich des Paulus-Jahres veröffentlicht. Es richtet sich an Religionslehrkräfte und erschließt die Gestalt des Apostels Paulus nicht nur historisch, sondern vor allem existenziell, theologisch und religionspädagogisch. Ziel des Heftes ist es, Paulus als Schlüsselgestalt christlichen Glaubens für den Religionsunterricht fruchtbar zu machen und ihn aus einer rein biografischen oder moralischen Betrachtung herauszulösen


Products

Im einleitenden Geleitwort betont Karl Kardinal Lehmann die bleibende Aktualität des Paulus. Besonders hervorgehoben wird dessen Fähigkeit, den christlichen Glauben dialogisch und zugleich klar zu verkünden. Die Areopagrede in Athen erscheint dabei als paradigmatisches Modell für heutige Glaubenskommunikation: Paulus knüpft an vorhandene religiöse Suchbewegungen an, ohne sich anzupassen oder den Kern des Evangeliums zu relativieren. Diese Grundhaltung wird als wichtige Orientierung für Religionsunterricht in einer pluralen Gesellschaft markiert.

Der exegetische Grundbeitrag von Thomas Schmeller entfaltet die Mission des Paulus in historischer und theologischer Tiefe. Mission wird nicht bloß als organisatorische Tätigkeit verstanden, sondern als existenzieller Auftrag, der Paulus’ ganzes Leben prägt. Schmeller zeigt, dass Paulus bewusst eine Form der Mission verfolgt, die auf Konversion zielt, also auf einen radikalen Perspektivwechsel hin zu Christus. Seine Heidenmission wird aus der Berufungserfahrung heraus gedeutet und als von eschatologischer Dringlichkeit bestimmt beschrieben. Dabei wird deutlich, wie eng bei Paulus persönliches Selbstverständnis, Theologie und Praxis miteinander verwoben sind.

Gertrud Pollak rückt Paulus als Glaubenden in den Mittelpunkt. Ausgangspunkt ist der paulinische Kernsatz „Wenn jemand in Christus ist, dann ist er eine neue Schöpfung“ (2 Kor 5,17). Christsein erscheint bei Paulus nicht als moralisches Programm oder bloße Lehre, sondern als neue existentielle Beziehung zu Christus. Das „In-Christus-Sein“ wird als tragendes Lebensgefühl beschrieben, das aus der Erfahrung bedingungsloser Liebe erwächst. Paulus’ Bekehrung wird dabei nicht primär als äußeres Ereignis, sondern als innere Kehrtwende gedeutet. Diese Perspektive eröffnet für den Religionsunterricht einen personalen Zugang zu paulinischer Theologie.

Einen dezidiert religionspädagogischen Akzent setzt Markus Schiefer Ferrari. Er warnt vor vereinfachenden und historisierenden Paulusbildern, die Schülerinnen und Schülern scheinbare Eindeutigkeit vorgaukeln, etwa durch feste Bildklischees oder Schlagworte wie „vom Saulus zum Paulus“. Stattdessen plädiert er für einen deutungsoffenen, dialogischen Zugang zu den paulinischen Texten. Schülerinnen und Schüler sollen Paulus als ambivalente, widersprüchliche und zutiefst menschliche Gestalt wahrnehmen können. Gerade die Spannung zwischen Stärke und Schwäche, zwischen Selbstvertrauen und radikaler Gnadenabhängigkeit wird als pädagogische Chance verstanden, weil sie an eigene Lebenserfahrungen anschlussfähig ist. Paulus wird so zu einer Lernfigur, an der Perspektivwechsel, Mehrdeutigkeit und existenzielles Denken eingeübt werden können.

Der Praxisteil des Heftes greift diese Grundlinien auf und bietet konkrete Unterrichtsanregungen, unter anderem eine Unterrichtseinheit für die Unterstufe, in der Paulus als Wegbegleiter auf den Spuren der frühen Kirche entdeckt wird. Ergänzt wird dies durch methodische Impulse zur Schulung von Wahrnehmung und Aufmerksamkeit, etwa durch die Arbeit mit Kunst und Symbolen.

Insgesamt bietet das Heft eine vielschichtige und theologisch fundierte Auseinandersetzung mit Paulus. Für Religionslehrkräfte ist es besonders wertvoll, weil es Paulus nicht auf historische Fakten oder dogmatische Lehrsätze reduziert, sondern ihn als existenzielle Gestalt erschließt, an der zentrale Fragen von Glauben, Identität, Freiheit und Berufung sichtbar werden. Der Religionsunterricht wird dadurch ermutigt, Paulus als lebendige Herausforderung für heutige Glaubens- und Lebensdeutung zu vermitteln.

Hessen

Hessen

Sekundarstufe II | Q1 Jesus Christus – das menschgewordene Wort Gottes

Q1.4 Jesus nachfolgen.

Rheinland-Pfalz

Rheinland-Pfalz

Sekundarstufe II | 12/1 Jesus Christus und die Kirche

12.1 / 8. Ursprung, Auftrag und Weg der Kirche.

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell, während andere uns helfen, diese Website und Ihre Erfahrung zu verbessern Datenschutz.