Sturla Sagberg behandelt in diesem philosophischen Essay die grundlegende Frage, ob holistische Religionspädagogik in modernen, säkularisierten und religionspluralistische Gesellschaften möglich und sinnvoll ist. Als Ausgangspunkt dient eine Aussage einer norwegischen Kindergärtnerin, die beschreibt, dass es in der Religionspädagogik „keine Ganzheit" gibt, sondern nur „Bits und Pieces". Der Autor nutzt Stephen Bevans' Modell der kontextuellen Theologie (mit sechs verschiedenen Modellen: Gegenkulturmodell, Translationsmodell, Synthesemodell, Praxismodell, Anthropologisches Modell und Transzendentales Modell) als theoretischen Rahmen. Er zeigt, wie unterschiedliche theologische Traditionen verschiedene Wege verfolgen, um Ganzheit und Vielfalt in Einklang zu bringen. Sagberg präsentiert eine „Karte der Haltungen gegenüber religiösen Traditionen in Kindergärten", die fünf Positionen unterscheidet: „Das Theater" (Religion als Kulturgeschichte), „Pflicht" (persönliche Überzeugungen trennen von Unterricht), „Die Narthex" (Bewusstsein für religiöse Orte ohne direkten Eintritt), „Town Square" (offenes Erkunden möglich) und „Niemandland" (Religion als Privatangelegenheit). Der Artikel entwickelt acht Prinzipien holistischer Bildung basierend auf christlich-theologischer Anthropologie: Schöpfung als fortlaufender Prozess, Transformation von Personen und Gemeinschaften, Suche nach Sinn, Lernen aus Unterschieden, aktive Partizipation, Spiritualität als Kern der Bildung, gegenseitig verantwortungsvoller Lernprozess und Bezug zu fundamentalen menschlichen Fragen. Als didaktische Metapher schlägt Sagberg das Bild der „Pilgerschaft" vor. Der Pilger verkörpert zentrale Aspekte holistischer Religionspädagogik: physische und spirituelle Bewegung, Anerkennung als Person mit Mission, Gleichheit aller Menschen, Fremdheit und Zugehörigkeit zugleich, und Verbindung zu einer größeren Wirklichkeit. Etymologisch bedeutet Bildung (educatio) „herausführen und aufziehen" – ähnlich wie eine Pilgerreise. Abschließend argumentiert Sagberg, dass holistische Religionspädagogik weniger eine erreichbare Totalität ist als vielmehr eine Frage der Orientierung und Richtung. „Bits und Pieces" sind legitim, wenn Lehrkräfte sich bewusst sind, dass einzelne Stücke Ganzheit widerspiegeln können, und wenn sie Kindern bei der Suche nach Sinnhaftigkeit unterstützen. Die Kunst der Religionspädagogik besteht darin, die wichtigsten Lebensfragen gemeinsam mit jungen Mitreisenden zu erforschen.