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Religionspädagogische BeiträgeVera Uppenkamp

Religionspädagogische Beiträge,

Vera Uppenkamp

Starke Gefühle – Wokeness als kontroverses Thema christlicher Religionspädagogik

Veröffentlichung:1.5.2019

Der Artikel untersucht Wokeness als kontroverses gesellschaftliches Phänomen und analysiert die starken Gefühle (Ekel und Angst), die damit verbunden sind. Anhand von theoretischen Analysen werden Anti-Wokeness-Strategien beleuchtet und das Potenzial einer christlich-theologischen Perspektive auf Solidarität und kontextuelle Theologie für den Religionsunterricht erörtert.

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Vera Uppenkamp widmet sich der Frage, wie Wokeness als kontroverses Thema im Religionsunterricht behandelt werden kann. Der Artikel analysiert Wokeness zunächst als gesellschaftliches Phänomen, das eine grundsätzliche Aufmerksamkeit für Diskriminierungen und strukturelle Ungleichheiten bedeutet. Im Kern geht es um hohes Awareness-Bewusstsein bezüglich Rassismus, Sexismus und Ableismus in zahlreichen Lebensbereichen. Die Autorin nutzt die Gegenwartsanalysen von Martha C. Nussbaum und Judith Butler, um die starken Gefühle Ekel und Angst einzuordnen, die Anti-Wokeness-Positionen prägen. Nussbaums Konzept des projektiven Ekels beschreibt, wie hegemoniale Gruppen ekelhafte Eigenschaften auf andere projizieren, um Privilegien zu verteidigen. Butler zeigt auf, wie Gender als simplifizierende Sammelkategorie für diverse Ängste funktioniert und wie Angst vor Kontrollverlust durch Bildung zentral ist. Der Artikel differenziert drei Strategien der Anti-Wokeness: sprachlich-performative Strategien (Deiktion, religiöse Begriffe), inhaltsbezogene Strategien (Übergeneralisierungen, Quasi-Religionisierung) und politische Strategien (Mehrheitsargumente, Täter-Opfer-Umkehr). Theologisch entfaltet Uppenkamp zwei Ansatzpunkte: Erstens eine christliche Sozialethik der Solidarität, die Intersektionalität nicht als identitätspolitisches Instrument, sondern als machtkritische Analyseperspektive versteht. Sie zeigt, wie intersektionale Theorien eine theologische Sozialethik mit Ziel sozialer Gerechtigkeit bereichern können. Zweitens werden kontextuelle Theologien (insbesondere queer-feministische Theologie) als Mittel gegen epistemische Ungerechtigkeit dargestellt. Diese Theologien machen ihren erkenntnistheoretischen Standort bewusst und reflektieren, wie Machtverhältnisse Wissensproduktion prägen. Für die Religionspädagogik schlägt Uppenkamp vier Zugänge vor: (1) emotionales Lernen, das auch kollektive Gefühle wie projektiven Ekel bearbeitet; (2) menschenrechtsorientierte Religionspädagogik, die christliche Positionen gegen Anti-Wokeness-Narrative theologisch fundiert vertritt; (3) Positionalität und Ambiguitätstoleranz mit markierten Grenzen bei Menschenfeindlichkeit; (4) Transparenzgebot gemäß Koblenzer Konsent. Der Artikel argumentiert, dass Wokeness im christlichen Religionsunterricht kontrovers diskutiert werden kann, aber nicht zwingend muss – christliche Theologie bietet normative Gründe, manche Positionen nicht als gleichberechtigte Meinungen zu behandeln.

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