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Eulenfisch

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Die Denkmöglichkeit des Antichristen

Veröffentlichung:1.1.2014

Der Fachartikel ist im Heft ru heute unter dem Titel „Philosophieren in der Theologie“ enthalten und umfasst 3 Seiten, S. 8 bis 10. Der Beitrag entfaltet einen anthropologischen Zugang zu den Themen Satan, Dämonen und Antichrist und zeigt, wie diese Glaubensvorstellungen vernünftig erschlossen werden können. Behandelt werden dabei vor allem theologische Probleme wie das Verhältnis von Glaube und Vernunft, die Frage nach dem Ursprung des Bösen, die Spannung zwischen Gottes Allmacht und der Wirklichkeit des Unheils, die Bedeutung von Freiheit, sowie der symbolische Charakter der Rede von Teufel, Dämonen und Antichrist.

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Der Artikel beginnt mit grundsätzlichen Überlegungen zum Verhältnis von Philosophie und Theologie. Ausgehend vom Bild der beiden Flügel, das Papst Johannes Paul der Zweite in Fides et ratio verwendet, wird gezeigt, dass Glaube und Vernunft einander brauchen, aber nicht miteinander verwechselt werden dürfen. Der Glaube ist nicht einfach philosophisch auflösbar und die Vernunft darf nicht zum bloßen Werkzeug des Glaubens gemacht werden. Beide stehen in einem spannungsreichen Verhältnis, das nur im konkreten Vollzug des denkenden und glaubenden Menschen zusammengehalten werden kann. Der Autor verdeutlicht dies mit dem Bild des Vogelfluges. Wie ein Vogel nicht ohne beide Flügel und ohne die verbindende Kraft der Brustmuskeln fliegen kann, so braucht auch der Mensch eine innere Mitte, die Glauben und Philosophieren zusammenhält. Diese Mitte ist der Personkern, der nicht vollständig theoretisch greifbar ist.

Von dort aus wendet sich der Text der religionspädagogischen Praxis zu. Der Autor beschreibt, wie ein Religionslehrer oder Theologe Glaubensinhalte so darstellen kann, dass sie für einen aufgeschlossenen, aber nicht christlichen Menschen als vernünftige Möglichkeit verständlich werden. Dabei geht es ausdrücklich nicht um Bekehrung, sondern um die Frage, wie katholischer Glaube als menschenwürdige und vernünftige Lebensmöglichkeit dargestellt werden kann. Zugleich wird betont, dass auch andere weltanschauliche Positionen vernünftig sein können. Entscheidend ist, den eigenen Standpunkt so zu reflektieren, dass er als mögliche, aber nicht notwendige Weise menschlichen Lebens erscheint.

Im Zentrum des Artikels steht dann ein anthropologischer Zugang zum Themenkomplex Satan, Dämonen und Antichrist. Ausgangspunkt sind drei Voraussetzungen. Erstens wird von einem allmächtigen und universal liebenden monotheistischen Gott ausgegangen. Zweitens wird angenommen, dass es in der von Gott geschaffenen Welt sowohl schicksalhaftes Unheil als auch moralisch Böses gibt. Drittens wird deutlich gemacht, dass ein weltanschaulicher Standpunkt, der die Spannungen des menschlichen Lebens ernst nimmt, nicht völlig widerspruchsfrei und formal glatt sein kann. Gerade bei Grenzfragen des Daseins reicht rein verstandesmäßiges Denken nicht aus. Deshalb ist die religiöse Sprache hier auf Bilder angewiesen.

Vor diesem Hintergrund fragt der Autor, wie das Böse in eine ursprünglich gute Schöpfung hineinkommt. Die biblische Erzählung von der Schlange zeigt, dass das teuflische Prinzip plötzlich in der Welt erscheint und damit einfache logische Systeme sprengt. Vernünftige Selbstorientierung fragt deshalb nicht zuerst nach einer lückenlosen Theorie, sondern nach der Freiheit des Menschen. Wenn der Mensch frei sein soll, dann muss auch die Möglichkeit des Bösen mitgedacht werden. Darüber hinaus verweist der Autor auf Erfahrungen maßlosen Unheils und extremer Bosheit, die menschliche Maßstäbe zu übersteigen scheinen. Daraus ergibt sich die Möglichkeit, einen geschöpflichen, aber den Menschen übersteigenden Ursprung des Bösen anzunehmen.

Die Rede vom Teufel versucht diese Wirklichkeit symbolisch zu fassen. Dabei wird deutlich, dass der Teufel weder einfach als klar umrissene Person noch bloß als leeres Symbol gedacht werden kann. Der Autor greift hier Überlegungen auf, nach denen der Teufel als Unperson in der Person und zugleich als Person in der Unperson verstanden werden kann. Damit wird ausgesagt, dass das Böse eine zerstörerische, lügenhafte Macht ist, die Wirklichkeit besitzt, ohne in den üblichen Kategorien eindeutig fassbar zu sein. Weil die Erfahrung des Bösen sehr unterschiedlich ist und sich auf viele Formen des Leids und der Bosheit bezieht, erscheint daneben auch die Rede von Dämonen plausibel. Dämonische Mächte stehen dann für vielfältige, schwer fassbare und doch hochwirksame Kräfte des Unheils.

An dieser Stelle wird die anthropologische Perspektive besonders deutlich. Menschen erleben sich oft in Zuständen körperlicher oder seelischer Zerstörung so, dass sie sagen könnten, sie seien das eigentlich nicht. Ebenso erschüttert sie das Böse in der Welt. Die Bilder von Teufel und Dämonen dienen dazu, diese Erfahrungen auszudrücken, ohne vorschnell einfache Erklärungen zu liefern. Zugleich erinnert der Autor daran, dass im Neuen Testament Jesus als der erscheint, der Dämonen austreibt und damit die Nähe des Reiches Gottes sichtbar macht.

Schließlich wendet sich der Artikel der Figur des Antichristen zu. Diese Gestalt ist vor allem aus der Johannesapokalypse und anderen frühchristlichen Schriften bekannt. Der Antichrist erscheint dort als geschichtliche Figur, die in extremen Krisenzeiten als Gegenbild zu Christus verstanden werden kann. In Zeiten großer Bedrohung kann dieses Deutungsmuster für Menschen plausibel werden, etwa wenn politische Herrscher als Verkörperung radikalen Bösen erscheinen. Der Autor nennt hier ausdrücklich die Möglichkeit, Adolf Hitler in einem solchen Deutungsrahmen zu sehen.

Zugleich warnt der Artikel vor einer gefährlichen Verkürzung. Der Antichrist darf nicht mit Satan selbst gleichgesetzt werden. Der Kampf gegen eine geschichtliche Gestalt des Bösen ist nicht identisch mit dem endgültigen Sieg über das Böse überhaupt. Gerade die Johannesapokalypse wahrt nach Ansicht des Autors diese Unterscheidung, weil sie auch nach dem Sieg über den Antichristen keine vollendete Heilsgeschichte behauptet. Es bleibt eine Zwischenzeit, und selbst dann ist das Böse nicht endgültig überwunden. So schützt die apokalyptische Bildsprache davor, innerweltliche Siege mit der Vollendung des Heils zu verwechseln.

Am Erde macht der Artikel deutlich, dass die Bilder von Satan, Dämonen und Antichrist aus theologischer Sicht nicht unsinnig sind. Sie können Menschen in Not tragen und in Zeiten des Glücks vor Überheblichkeit bewahren. Zugleich bleibt jede religiöse Rede begrenzt, denn die transzendente Wirklichkeit Gottes ist immer größer als alle menschlichen Begriffe und Bilder. Der Artikel plädiert deshalb für einen theologischen Zugang, der Glaube und Vernunft zusammenhält und die symbolische Sprache des Glaubens als Ausdruck menschlicher Grenzerfahrungen ernst nimmt.

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