Der Artikel setzt sich mit der Frage auseinander, warum die Theologie und besonders die Religionspädagogik den Teufel und das Böse heute oft meiden. Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass die moderne Geistesgeschichte das Böse zunehmend wissenschaftlich erklärt und dadurch relativiert hat. Das Böse wird nicht mehr vor allem als freie und schuldhafte Tat des Menschen verstanden, sondern auf psychologische, biologische oder gesellschaftliche Ursachen zurückgeführt. Dadurch verliert es seinen radikalen Charakter. Schuld und Sünde erscheinen nicht mehr als Ausdruck persönlicher Freiheit und Verantwortung, sondern werden normalisiert und verharmlost.
Der Artikel beschreibt, dass damit auch die Fähigkeit schwindet, das Böse als etwas wirklich Nicht zu Rechtfertigendes wahrzunehmen. Moderne Deutungen und auch die neuzeitliche Theodizee haben nach Ansicht des Autors dazu beigetragen, das Böse zu entdramatisieren. Zugleich ist die Vorstellung eines personalen Bösen, also des Teufels als Personifikation des Bösen, in der Neuzeit immer stärker in Misskredit geraten. Der Teufel gilt vielen als überholte Figur aus einer vorwissenschaftlichen Welt. Im Volksglauben blieb er zwar lebendig, doch in gebildeten und aufgeklärten Zusammenhängen wurde die Rede von ihm häufig als Zeichen mangelnder Aufklärung verstanden.
Ein weiterer Grund für die Zurückhaltung liegt nach dem Artikel in der problematischen kirchlichen Praxis früherer Zeiten. Der Teufel wurde in Erziehung und Katechese oft als Drohfigur eingesetzt. Diese moralisierende Instrumentalisierung führte zu berechtigter Kritik. Allerdings sei die Korrektur später zu weit gegangen, weil nicht nur missbräuchliche Formen, sondern die gesamte theologische Rede vom Teufel verdrängt worden seien. Damit sei auch die symbolische und mythische Sprache abgewertet worden.
Der Autor betont jedoch, dass mythische Sprache nicht einfach irrational oder wertlos ist. Mit Verweis auf verschiedene Denker wird gezeigt, dass der Mythos auch in der modernen Welt fortlebt. Wissenschaft bietet ein anderes Bild der Wirklichkeit, aber nicht das einzig mögliche. Menschen leben nach dieser Sicht nicht nur in einer rationalen Welt, sondern auch in einer verdrängten religiös mythischen Ebene. Diese ist mit der Suche nach Sinn, Ganzheit und Deutung von Leid verbunden. Deshalb verschwindet auch das Bedürfnis nach Bildern und Erzählungen vom Bösen nicht.
Der Artikel macht deutlich, dass das Böse heute nicht mehr unbedingt in der Gestalt einer klassischen Teufelsfigur erscheint, sondern oft in abstrakten Systemen, Ideologien und Machtstrukturen. Gerade dadurch wird es schwerer greifbar. Es kann den Menschen innerlich bestimmen und ihn zu Handlungen verleiten, die er selbst nicht mehr durchschaut. Darum sei es nicht sinnvoll, das Thema aus religionspädagogischen Prozessen fernzuhalten. Vielmehr müsse an zentrale Elemente der katholischen Lehre angeknüpft werden. Der Mensch ist als gutes und freies Geschöpf Gottes geschaffen, bleibt aber zugleich in sündhafte Strukturen verstrickt. Er kann Täter und Opfer des Bösen sein. Menschen erleben zudem, dass sie sich selbst im Verursachen von Leid fremd werden. Ebenso gibt es Erfahrungen von Versuchung, in denen das Böse wie eine andere Macht erlebt wird. Die Figur des Teufels bündelt solche Erfahrungen symbolisch.
Die Erzählung vom Engelssturz und vom Teufel beantwortet nach dem Artikel nicht endgültig die Frage nach dem Ursprung des Bösen. Ihre Bedeutung liegt vielmehr darin, menschliche Erfahrungen von Unheil, Versuchung und Zerstörung mit dem christlichen Glauben ins Gespräch zu bringen. Sie ist also nicht als einfache Sachinformation zu verstehen, sondern als Deutungshilfe.
Im letzten Teil zieht der Artikel religionspädagogische Konsequenzen. Kinder begegnen schon früh den Begriffen gut und böse, sowohl in Erziehungssituationen als auch in Märchen, Geschichten und modernen Medien. Auch Grundschulkinder kennen entsprechende Bilderwelten. Deshalb ist das Thema für sie nicht fremd. Wenn Religionsunterricht die Fragen nach dem Bösen ausklammert, entstehen Deutungslücken. Diese werden dann oft durch Medien, populäre Bilder und vereinfachende Gegensätze gefüllt. Solche Angebote können Ängste verstärken oder existenzielle Fragen verdecken.
Der Artikel fordert deshalb, die Fragen von Lernenden nach dem Bösen ernst zu nehmen. Im Religionsunterricht soll Raum für offene Gespräche, kreative Zugänge und persönliche Deutungen geschaffen werden. Kinder sollen eigene Bilder und Vorstellungen ausdrücken können, ohne mit fertigen Angstszenarien überfordert zu werden. Die Lehrkraft braucht dafür Sensibilität und die Fähigkeit, auf Äußerungen flexibel einzugehen. Ziel ist es, altersgemäße und persönlich passende Antwortmöglichkeiten zu entwickeln und dabei besonders die österliche Botschaft der Befreiung vom Bösen sichtbar zu machen. Der Religionsunterricht soll also nicht Angst vor dem Bösen erzeugen, sondern Hoffnung und Orientierung im Umgang mit Leid, Schuld und Versuchung eröffnen.