Die Wende zum subjektorientierten Religionsunterricht ist längst vollzogen. Didaktische und methodische Überlegungen zum Lehren und Lernen widmen sich den Prozessen, die die einzelnen Subjekte betreffen und der Frage, wie Lernen beim einzelnen Schüler / bei der einzelnen Schülerin gestaltet werden kann, um erwünschte Kompetenzen aufzubauen. Viel zu wenig wird jedoch die Rolle von Artefakten beim Lernen bedacht. Im Kontext des interreligiösen Lernens ist a gift to the child mittlerweile breit rezipiert. Welchen Einfluss nehmen die Gegenstände auf das Lernen, was wird von ihnen bestimmt, ohne dies das immer hinreichend klar ist? Der Beitrag unternimmt eine Klärung der Macht und Eigenart der Dinge in Lehr-Lern-Prozessen. Unabhängig von der begrifflichen Zuordnung hat sich 1 neben den fünf Schritten interreligiösen Lernens von Leimgruber mittlerweile auch das Modell des Lernens nach dem Modell „a gift to the child“ etabliert, wie 2 es von Sajak für den Religionsunterricht in Deutschland eingebracht worden ist. Für das Vorgehen im Unterricht bietet Sajak ein Modell an, das in vier Phasen der Annäherung und Distanzierung zur Auseinandersetzung mit den Artefakten ein- 3 lädt . Dabei kann bei Sajak ein Artefakt oder Numen ein greifbarer Gegenstand wie etwa die Kippa, der Kelch oder Koran sein, genauso gut aber wäre der Ruf des Muezzin denkbar, der nur auditiv wahrnehmbar ist. Im Lernprozess stehen dabei die SchülerInnen im Mittelpunkt, die sich einerseits in der Annäherung intensiv mit dem Artefakt beschäftigen, andererseits in der Distanzierung genügend Raum finden, ihre eigene Verortung gegenüber der (fremden) Religion selbst zu bestimmen. Welche Rolle nehmen aber die Artefakte dabei ein, was leisten sie im Unterrichtsprozess? Im Folgenden soll zunächst einmal der Blick auf die Wahrnehmung gelenkt werden, weil der Ansatzpunkt didaktischen Denkens beim Subjekt beginnt und der einzelne Lernende im Fokus des Interesses steht. Die Überlegungen starten bei Überlegungen zur Bildwahrnehmung, da zunächst einmal Artefakte und Numen zwar bestenfalls real eingebracht werden, im Konzept von Sajak aber die visuelle Wahrnehmung am Anfang steht.