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Eulenfisch

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Rachaman

Veröffentlichung:1.1.2015

Der Fachartikel ist im Heft ru heute unter dem Titel „Rachaman“ enthalten. Er umfasst vermutlich drei Seiten ab Seite 28. Der Beitrag zeigt, dass die Barmherzigkeit das zentrale Attribut Gottes in den biblischen Religionen ist und dass sie sich gegen ein gewaltsames und strafendes Gottesbild durchsetzt. Behandelt werden vor allem die theologischen Probleme des Verhältnisses von Zorn und Barmherzigkeit, von Gerechtigkeit und Gnade, von Bilderverbot und Gottesvorstellung sowie die Frage, wie religiöse Menschen auch heute falsche und gewaltförmige Gottesbilder überwinden können.

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Der Artikel setzt bei der Erzählung vom Goldenen Kalb an und deutet diese Szene als einen theologischen Skandal. Obwohl Israel kurz zuvor die Gebote gegen fremde Götter und gegen Gottesbilder empfangen hatte, lässt Aaron ein goldenes Kalb herstellen, das vom Volk verehrt wird. Der Autor fragt, wie es zu diesem Abfall kommen konnte, und erklärt ihn nicht einfach als unverständlichen Ungehorsam, sondern als Ausdruck eines in der damaligen Umwelt verbreiteten Gottesbildes. Der Stier war in den Religionen des Alten Orients ein Symbol für Macht, Fruchtbarkeit und Stärke. Deshalb konnte auch in Israel die Vorstellung naheliegen, Gott in einer solchen Gestalt oder zumindest unter einem solchen Symbol zu denken.

Der Artikel zeigt, dass das Stierbild nicht nur ein fremdes Bild war, sondern auch mit biblischen Sprachformen verwandt ist. In poetischen Texten wird Gottes Kraft ebenfalls mit Bildern aus der Welt des Stieres beschrieben. Dadurch wird deutlich, dass das Goldene Kalb nicht einfach ein äußerer Irrtum ist, sondern auf eine tiefere religiöse Problematik verweist. Es geht um die Frage, ob Gott als eine gewalttätige, aggressive Macht verstanden wird. Genau darin sieht der Autor die eigentliche Gefahr. Denn auch Gottes erste Reaktion auf die Sünde des Volkes wirkt wie die Reaktion eines zornigen Stieres, der in Wut vernichten will.

An dieser Stelle setzt die eigentliche theologische Pointe des Artikels ein. Entscheidend ist nicht nur, dass Mose das Goldene Kalb zerstört, sondern dass sich in der folgenden Erzählung auch Gottes Selbstoffenbarung verändert. Mose fordert Gott auf, sich zu erkennen zu geben. Daraufhin offenbart sich Gott nicht in erster Linie als strafender Richter, sondern als der Barmherzige und Gnädige, als langmütig, treu und zur Vergebung bereit. Der Autor versteht diese Szene als eine zentrale theologische Aussage der Bibel. Gott wird nun nicht mehr zuerst über Zorn und Strafe bestimmt, sondern über Gnade und Erbarmen. Die Reihenfolge ist entscheidend: Nach der Katastrophe der Sünde steht jetzt die Gnade vor dem Gericht. Barmherzigkeit erhält Vorrang vor Vergeltung.

Der Artikel greift dann den Propheten Hosea auf, um diese innere Wandlung Gottes weiter zu verdeutlichen. Dort wird beschrieben, dass Gott sich gegen seinen eigenen Zorn entscheidet. Sein Herz wendet sich um, und gerade darin zeigt sich seine Göttlichkeit. Gott ist nicht an ein starres Schema der Vergeltung gebunden. Er kann anders handeln als Menschen es erwarten würden. Seine Heiligkeit zeigt sich nicht in unerbittlicher Strafe, sondern in der Fähigkeit zur Vergebung. Darin liegt nach dem Autor die eigentliche Überwindung des alten Stierbildes. Gott bekämpft Gewalt nicht mit noch größerer Gewalt, sondern durch Barmherzigkeit.

Von hier aus weitet der Text den Blick auf die Wirkungsgeschichte. Die biblische Formel vom barmherzigen und gnädigen Gott wird im Alten Testament vielfach wiederholt und prägt auch das Judentum, das Christentum und den Islam. Der Autor verweist darauf, dass auch die islamische Formel im Namen Gottes des Barmherzigen und Erbarmers an diese Tradition anschließt. In allen drei Religionen wird Barmherzigkeit so zu einem Grundzug des Gottesverständnisses. Gott nachzuahmen bedeutet deshalb, selbst barmherzig zu handeln.

Im letzten Teil des Artikels wird das Thema auf die Gegenwart übertragen. Der Bildersturm des Monotheismus darf sich nach Ansicht des Autors nicht nur gegen äußere Götzen richten. Viel gefährlicher sind die inneren Bilder, also starre Denkformen und ideologische Gottesbilder. Menschen können auch ohne sichtbare Götzen an falschen Vorstellungen von Gott, von Macht, von Herrschaft oder von Geschlechterrollen festhalten. Solche inneren Bilder können ebenso lebensfeindlich und gewaltförmig sein wie alte Götzenbilder. Deshalb fordert der Artikel einen fortwährenden inneren Bildersturm.

Die Propheten Israels erscheinen in diesem Zusammenhang als Vorbilder, weil sie nicht nur äußeren Götzendienst kritisierten, sondern auch ideologische Verzerrungen von Religion, Macht und Gesellschaft. Der Autor macht deutlich, dass diese prophetische Kritik bis heute notwendig ist. Er nennt moderne Beispiele religiöser Gewalt und warnt davor, dass Menschen im Namen des Monotheismus erneut einem gewaltförmigen Gottesbild verfallen können. Wer im Namen Gottes Hass, Fanatismus und Zerstörung verbreitet, ist nach dieser Deutung noch immer vom alten Stiergötzen beherrscht.

Insgesamt versteht der Artikel Barmherzigkeit als das Hauptattribut Gottes und als Korrektiv gegen jede religiöse Verhärtung. Die zentrale Aussage lautet, dass der wahre Gott nicht durch Zorn, Gewalt und Vergeltung bestimmt ist, sondern durch Gnade, Langmut und Vergebung. Daraus ergibt sich auch für die Gegenwart die Aufgabe, falsche Gottesbilder kritisch zu prüfen und sich an einem Gottesverständnis zu orientieren, das Barmherzigkeit ins Zentrum stellt.

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