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Eulenfisch

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An Gottes Barmherzigkeit niemals verzweifeln

Veröffentlichung:1.1.2015

Der Fachartikel ist im Heft ru heute unter dem Titel „An Gottes Barmherzigkeit niemals verzweifeln“ enthalten. Im vorliegenden Abdruck umfasst er etwa drei Seiten, nämlich Seite 33 bis 35. Der Beitrag deutet die Benediktusregel aus theologischer und spiritueller Perspektive und zeigt, dass Gottes Barmherzigkeit der tragende Grund christlichen Lebens ist. Behandelt werden vor allem die theologischen Probleme des Verhältnisses von Gnade und menschlichem Handeln, von Scheitern und Hoffnung, von Trost, Heilung und Gemeinschaft sowie die Frage, wie Gottes Barmherzigkeit im klösterlichen und kirchlichen Leben konkret erfahrbar wird.

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Der Artikel geht von dem letzten der 74 Werkzeuge der geistlichen Kunst in der Benediktusregel aus, nämlich von der Aufforderung, an Gottes Barmherzigkeit niemals zu verzweifeln. Die Autorin zeigt, dass dieser Satz keineswegs ein nebensächlicher Abschluss ist, sondern den inneren Horizont des ganzen geistlichen Lebens eröffnet. Das Kapitel über die Werkzeuge der geistlichen Kunst beschreibt einen Weg des Reifens, des Lernens und der Auseinandersetzung mit den eigenen Grenzen. Dieser Weg ist nicht nur ein moralisches Übungsprogramm, sondern ein konkreter Christusweg. Christliches Leben besteht demnach nicht einfach im Befolgen religiöser Ideale, sondern in der Einübung eines Lebens aus Gehorsam, Hoffnung, Liebe und Gnade.

Die Autorin betont, dass Benedikt am Anfang dieses Weges das Doppelgebot der Gottes und Nächstenliebe stellt und daraus die Werke der Barmherzigkeit entfaltet. Das geistliche Leben ist deshalb nie von der konkreten Existenz getrennt. Der Mensch soll sich nicht einem falschen Ideal von Vollkommenheit oder Selbstverwirklichung unterwerfen, sondern im Glauben wachsen und gerade in den Bedrängnissen des Lebens ein weites und freies Herz gewinnen. Gottes Barmherzigkeit erscheint dabei als die eigentliche Grundlage allen geistlichen Fortschritts. Sie ist keine abstrakte Idee, sondern eine erfahrbare und heilende Wirklichkeit, die Umkehr und täglichen Neuanfang ermöglicht.

Ein wichtiger Gedanke des Artikels ist, dass Barmherzigkeit immer ein Beziehungsgeschehen ist. Gottes Erbarmen verwirklicht sich nicht isoliert, sondern im Bund mit dem Menschen und in zwischenmenschlicher Nähe. Deshalb hat auch der Trost eine gemeinschaftliche Dimension. Wer in Verzweiflung oder Trostlosigkeit gerät, kann sich nicht einfach selbst heilen. Er oder sie braucht die verstehende Zuwendung anderer. Die Benediktusregel sieht darum vor, dass schwankende oder gefährdete Brüder durch weise und mitfühlende Mitbrüder begleitet werden. Gerade darin wird für die Autorin sichtbar, dass Gottes Barmherzigkeit in konkreten menschlichen Beziehungen Gestalt annimmt.

Besonders hervorgehoben wird die Gefahr der Acedia, also einer lähmenden Traurigkeit und inneren Trostlosigkeit. Dieser Zustand bedroht nicht nur den Einzelnen, sondern auch seine Zugehörigkeit zur Gemeinschaft. Benedikt begegnet dieser Gefahr nicht mit Härte, sondern mit tröstender Liebe. Selbst der Ausgeschlossene oder Exkommunizierte bleibt auf Barmherzigkeit angewiesen und soll nicht sich selbst überlassen werden. Wahre Tröstung besteht dabei nicht in bloßer Beruhigung, sondern in einer Form der mittragenden Liebe, die Hoffnung offenhält und Wandlung ermöglicht. Trost wird so als Ausdruck der mitleidenden Liebe Gottes verstanden.

Im weiteren Verlauf zeigt der Artikel, dass sich diese Barmherzigkeit besonders im Bild des guten Hirten verdichtet. Für Benedikt soll der Abt sich an Christus als gutem Hirten orientieren. Das bedeutet, dass Leitung nicht zuerst Herrschaft, sondern Sorge, Geduld und Mitleid ist. Der Abt soll das Beispiel Christi nicht nur bedenken, sondern leibhaftig nachahmen. Daraus entsteht ein pastorales und diakonisches Handeln, das nicht auf private Frömmigkeit beschränkt ist, sondern dem Heil der ganzen Gemeinschaft dient. Trost, Mitleid und Geduld werden auf diese Weise zu Grundformen geistlicher Leitung.

Die Autorin macht deutlich, dass Geduld ein Ausdruck der Barmherzigkeit Gottes ist. Wer Christus nachfolgt, lernt, Leiden auszuhalten und in ihnen auf Gottes Gegenwart zu vertrauen. Gerade darin liegt die Hoffnung des christlichen Lebens. Gottes Barmherzigkeit führt nicht aus allen Krisen sofort heraus, aber sie trägt durch sie hindurch. Darum kann das klösterliche Leben als Schule der Hoffnung verstanden werden. Diese Hoffnung gründet nicht in menschlicher Leistung, sondern in Gottes bleibender Treue.

Ein weiterer Schwerpunkt des Artikels ist die heilende Sorge um den einzelnen Menschen. Benedikt fordert vom Abt, sich wie ein weiser Arzt um die Seelen der ihm Anvertrauten zu kümmern. Dabei geht es nicht um Kontrolle oder Aktivismus, sondern um einen diskreten, barmherzigen und heilenden Umgang mit menschlicher Schwäche. Heilung geschieht nach diesem Verständnis prozesshaft und gemeinschaftlich. Das Wort Gottes wird dabei selbst als heilende Kraft verstanden. Die Heilige Schrift ist nicht nur Belehrung, sondern ein Mittel, durch das Gottes Liebe den verwundeten Menschen erreicht und erneuert.

Die Autorin beschreibt Heil und Heilung ausdrücklich als gemeinschaftliches Geschehen. Niemand wird nur für sich selbst gerettet oder getröstet. Vielmehr trägt die Gemeinschaft den Einzelnen im Gebet, in der Fürbitte und in der Hoffnung. Gerade das Fürbittgebet zeigt, dass der Mensch nicht alles selbst kontrollieren muss, sondern sich vertrauensvoll Gott überlassen darf. Die Gemeinschaft wird dadurch zu einem Ort, an dem Gottesreich konkret sichtbar wird. Gottes Barmherzigkeit zeigt sich also in der Weise, wie Menschen einander tragen, begleiten und Hoffnung zusprechen.

Zum Schluss richtet der Artikel den Blick auf die Bedeutung des Segens. Worte können verletzen, aber sie können auch heilen. Benedikt versteht den Segen als Antwort des Menschen auf die erfahrene Barmherzigkeit Gottes. Wo Brüder einander begegnen, sollen sie sich Segen zusprechen und dadurch Trost, Frieden und Dank weitergeben. Der Dank an Gott und die Suche nach Frieden sind deshalb nicht bloß fromme Gesten, sondern Ausdruck einer aktiven Gottsuche. Der Artikel endet mit der Einsicht, dass das letzte Werkzeug der geistlichen Kunst gerade deshalb so überraschend und so wichtig ist, weil es den Grund aller christlichen Hoffnung benennt. Menschen können leben, umkehren und neu beginnen, weil sie auf Gottes Barmherzigkeit vertrauen dürfen und an ihr niemals verzweifeln müssen.

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