Wolfgang Wagerer entwickelt den Grundriss einer ‚biblischen Hördidaktik' als Alternative zu dominanten Formen des Bibelunterrichts. Er diagnostiziert zwei problematische Pole in der gegenwärtigen Praxis: einerseits eine Indoktrination durch einseitige Textauslegung, andererseits Beliebigkeit und Banalität durch rein methodische Vielfalt. Beide Formen verfehlen, was biblische Texte leisten können. Wagerer entwickelt als Ausgangspunkt das Hören: Dieser Zugang entspricht sowohl didaktischen Konzepten der Bibel selbst (Sch'ma Jisrael – ‚Höre, Israel!') als auch dem Wesen des Menschen als hörendes Wesen. Um biblische Texte wirklich zu Gehör zu bringen, braucht es ihre Re-Inszenierung durch Erzählen – eine ‚Audende', die nicht nur Inhalte, sondern elementare Formen, Strukturen und Kompositionsprinzipien der biblischen Erzählbögen bewahrt. Damit soll der biblische Text ‚Augenblicke von Freiheit' (H. Domin) ermöglichen – Momente echter Begegnung zwischen Text und Hörer.