Der Beitrag einer Religionspädagogin setzt sich kritisch mit dem EKD-Grundlagentext „Religiöse Bildung angesichts der Konfessionslosigkeit" auseinander, um dessen zentrale Konzepte auf ihre Tragfähigkeit zu überprüfen. Aus einer Forschungsperspektive, die sich seit zwei Jahrzehnten mit Konfessionslosigkeit befasst – insbesondere in Mitteldeutschland, wo über 50 Prozent der Schülerinnen und Schüler keiner Religionsgemeinschaft angehören – werden die Leitbegriffe und Annahmen des EKD-Textes systematisch hinterfragt. Die zentrale Kritik betrifft das binäre Konstrukt von „Konfessionslosigkeit" versus „Kirchenmitgliedschaft", das die empirische Realität verkennt: Es gibt keine homogene Gruppe der Konfessionslosen, sondern ein „Kaleidoskop von Möglichkeiten" bei Lebensführung und -deutung, das religionsaffine wie vollständig säkulare Orientierungen umfasst. Die Autorin zeigt auf, wie der EKD-Text durch sein Sprachhandeln implizit Kirchenmitgliedschaft als Normalität setzt, während Konfessionslosigkeit als diffuse Ausnahmesituation erscheint. Problematisch ist zudem die EKD-Ablehnung der Begriffe „Konfessionsfreiheit" oder „Konfessionsungebundenheit", obwohl diese das Selbstbestimmungsrecht der betreffenden Menschen anerkennen würden – ein Recht, das im interreligiösen Dialog sonst selbstverständlich ist. Weiterhin wird der Leitbegriff der „Kommunikation des Evangeliums" und dessen bildungstheoretische Fundierung einer kritischen Reflexion unterzogen. Abschließend werden Perspektiven auf die kirchliche Bildungsverantwortung in einer religiös und weltanschaulich ausdifferenzierten Gesellschaft entwickelt, in der Kirche und Schule Konfessionslose als ernstzunehmende Dialogpartner verstehen müssen – nicht als Problem, sondern als zentrale Herausforderung ihrer Zukunftsfähigkeit.