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Nützen und schützen?

Veröffentlichung:1.1.2015

Der Fachartikel „Nützen und schützen?“ von Franz Theo Gottwald und Isabel Boergen ist im Heft ru-heute erschienen und umfasst etwa 6 Seiten. Der Artikel behandelt zentrale tierethische und theologische Probleme im Verhältnis von Mensch und Tier, insbesondere die Spannung zwischen der wirtschaftlichen Nutzung von Tieren und dem christlichen Verständnis von Tieren als Mitgeschöpfe Gottes. Thematisiert werden die industrielle Tierhaltung, die ethische Verantwortung des Menschen, die Rolle der christlichen Tradition sowie aktuelle tierethische Positionen wie Tierschutz, Pathozentrismus und Tierrechte.

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Der Artikel beschreibt die große Diskrepanz zwischen tierethischen Ansprüchen und der Realität moderner Tierhaltung. Tiere werden in der industriellen Landwirtschaft häufig als Produktionsfaktor betrachtet. Ihr Wert wird vor allem wirtschaftlich bestimmt. Ziel ist eine möglichst effiziente und kostengünstige Produktion von Lebensmitteln. Dadurch werden Tiere zu einer monetären Größe reduziert. Diese Entwicklung zeigt sich besonders in der intensiven Zucht, bei der Tiere auf hohe Leistung gezüchtet werden. Merkmale wie schnelles Wachstum, hohe Milchleistung oder hohe Eierproduktion stehen im Mittelpunkt. Eigenschaften wie Robustheit oder Anpassungsfähigkeit spielen dagegen eine geringere Rolle.

Die Folgen dieser Zuchtstrategien sind gesundheitliche Probleme und Leiden der Tiere. Broiler leiden unter Knochenproblemen und Bewegungsstörungen. Legehennen zeigen vermehrt aggressives Verhalten und Federpicken. Milchkühe erkranken häufiger an Euterentzündungen oder Klauenproblemen. Zusätzlich verschärfen ungeeignete Haltungsbedingungen das Leid. Enge Ställe, hohe Besatzdichten und reizarme Umgebungen verhindern natürliche Verhaltensweisen und führen zu Stress und Verhaltensstörungen.

Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage nach der ethischen Verantwortung des Menschen gegenüber Tieren. Der Artikel zeigt, dass das christliche Weltbild traditionell eine Hierarchie zwischen Mensch und Tier annimmt. Der Mensch gilt als Herrscher über die Tiere und besitzt eine besondere Würde. Diese Vorstellung findet sich auch in biblischen Texten. Gleichzeitig betont die Bibel jedoch die gemeinsame Geschöpflichkeit von Mensch und Tier. Beide sind Teil der Schöpfung Gottes und voneinander abhängig. Daraus ergibt sich die Pflicht des Menschen zu Rücksichtnahme, Fürsorge und verantwortlichem Umgang mit Tieren. Tiere besitzen einen eigenen Wert innerhalb der Schöpfung und sind deshalb schützenswert.

Im christlichen Verständnis bedeutet die Herrschaft des Menschen über die Tiere nicht Ausbeutung, sondern Verantwortung. Der Mensch soll seine Macht in einer Haltung der Fürsorge ausüben. Biblische Texte fordern Barmherzigkeit gegenüber Tieren und betonen Tugenden wie Liebe, Güte und Gerechtigkeit im Umgang mit allem Lebendigen.

Der moderne Tierschutz basiert auf der Annahme, dass Tiere leidensfähig sind. Diese Perspektive wird als Pathozentrismus bezeichnet. Moralische Rücksicht gilt demnach allen Wesen, die Schmerz und Leid empfinden können. Diese ethische Position wurde besonders durch den Philosophen Jeremy Bentham geprägt. Er argumentierte, dass nicht Vernunft oder Denkfähigkeit entscheidend für moralische Berücksichtigung seien, sondern die Fähigkeit zu leiden.

Das deutsche Tierschutzgesetz greift diesen Gedanken teilweise auf. Es erklärt Tiere zu Mitgeschöpfen und verbietet es, ihnen ohne vernünftigen Grund Schmerzen oder Leiden zuzufügen. Gleichzeitig kritisieren die Autorinnen und Autoren, dass der Begriff des vernünftigen Grundes sehr unklar ist. Dadurch bleibt viel Spielraum für wirtschaftliche Interessen. Beispiele sind die weiterhin erlaubte betäubungslose Kastration von Ferkeln oder bestimmte Zuchtpraktiken. In der Praxis wird Tierschutz oft zugunsten wirtschaftlicher Interessen eingeschränkt.

In der gesellschaftlichen Debatte verschiebt sich der Fokus zunehmend. Während der klassische Tierschutz vor allem fragt, wie Tiere genutzt werden dürfen, stellt die Tierethik zunehmend die grundsätzliche Frage, ob Tiere überhaupt genutzt werden dürfen. Diese Position wird besonders von abolitionistischen Tierrechtsansätzen vertreten. Vertreter dieser Perspektive fordern ein Ende der Tiernutzung, weil Tiere nicht als Besitz des Menschen betrachtet werden sollten.

Zunehmend entscheiden sich Menschen für vegetarische oder vegane Lebensweisen. Bücher, wissenschaftliche Arbeiten und öffentliche Debatten tragen dazu bei, die moralischen Fragen rund um Tierhaltung stärker in das gesellschaftliche Bewusstsein zu rücken. Der Artikel betont, dass diese Entwicklung ein Zeichen eines gesellschaftlichen Wandels ist.

Am Ende wird deutlich, dass eine zeitgemäße Tierethik nicht unbedingt eine neue Moral erfordert. Vielmehr geht es darum, Tiere nicht länger aus der bestehenden moralischen Gemeinschaft auszuschließen. Politik, Kirche und Gesellschaft sind aufgefordert, ihre Haltung zu überdenken und Verantwortung für einen ethisch verantwortbaren Umgang mit Tieren zu übernehmen.

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