Wissenschaftskommunikation ist in den letzten Jahren zu einem zentralen Thema des öffentlichen Diskurses geworden – spätestens seit der Corona-Pandemie, als Virologe Christian Drosten und Wissenschaftskommunikatorin Mai Thi Nguyen-Kim mit ihren Formaten millionenfach erreicht wurden. Doch was verstehen wir eigentlich unter Wissenschaftskommunikation, und wie hat sich das Feld durch die Digitalisierung fundamental verschoben?
Dieser Beitrag nähert sich diesen Fragen aus kommunikationswissenschaftlicher Perspektive. Zunächst wird Wissenschaftskommunikation als umfassende Kategorie eingeführt – als alle Formen von auf wissenschaftliches Wissen fokussierter Kommunikation, die innerhalb und außerhalb institutionalisierter Wissenschaft stattfindet. Die Autorin differenziert dabei zwischen interner Kommunikation (etwa zwischen Wissenschaftler*innen) und externer Kommunikation, die sich an die Öffentlichkeit richtet. Externe Wissenschaftskommunikation verfolgt dabei drei zentrale Ziele: Wissensvermittlung (Public Understanding of Science), öffentliche Beteiligung an wissenschaftlichen Diskursen (Public Engagement) und Legitimation – die Rechtfertigung des Einsatzes öffentlicher Mittel für Forschung.
Zentral für das Verständnis moderner Wissenschaftskommunikation ist ihre Einbettung in komplexe Spannungsfelder. Wissenschaft, Politik und Medien folgen unterschiedlichen Logiken und Interessen: Während Wissenschaftler*innen nach detaillierter Differenzierung streben, reduzieren Journalist*innen Komplexität für Verständlichkeit. Zugleich sind wissenschaftliche Themen immer auch politisch aufgeladen – sie konkurrieren um Aufmerksamkeit mit anderen gesellschaftlichen Interessen, und die Rezeption wissenschaftlicher Information wird stark durch die politischen Überzeugungen des Publikums geprägt.
Die Digitalisierung hat diese Dynamiken grundlegend neu geordnet. Soziale Medien und Plattformen wie YouTube ermöglichen direkte Wissenschaftler*innen-Publikum-Kommunikation ohne journalistische Vermittlung – ein Durchbruch mit neuen Chancen, aber auch erheblichen Herausforderungen. Der Beitrag erörtert aktuelle Trends wie den Einfluss von Algorithmen auf Informationsverbreitung und die Nutzung von Künstlicher Intelligenz, die Wissenschaftskommunikation weiterhin transformieren werden.