Die Klimakrise stellt Religionsgemeinschaften vor neue Herausforderungen – und eröffnet zugleich Chancen für religiöse Bildung. Der Artikel verbindet Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) mit interreligiösem Lernen und argumentiert dabei für eine dialogische Auseinandersetzung mit religiösen Menschenbildern als Schlüssel zu einer gemeinsamen Verantwortungsethik.
Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass Fragen der Nachhaltigkeit mit ihren wirtschaftlichen, ethischen, politischen und sozialen Dimensionen ausgezeichnete religionspädagogische Lernanlässe bieten – nicht nur für die Auseinandersetzung mit der eigenen Tradition, sondern vor allem für konfessionell-kooperatives und interreligiöses Begegnungslernen. Der Text schlägt vor, diese Debatte nicht primär beim Vergleich von Religionen anzusetzen, sondern bei einer gemeinsamen „Überschneidungssituation": der konkreten Herausforderung der Klimakrise. So werden christliche und islamische Menschenbilder nicht isoliert nebeneinandergestellt, sondern mit Blick auf ihre jeweiligen Implikationen für Schöpfungsverantwortung erforscht.
Der Autor kritisiert dabei die verbreitete Ansicht, dass ein christlicher Anthropozentrismus kausal zur modernen Naturausbeutung führte. Empirische Daten zum globalen CO₂-Ausstoß zeigen vielmehr, dass keine signifikanten Zusammenhänge zwischen religiöser Prägung und Umweltverhalten bestehen. Stattdessen wird deutlich, dass sich bislang keine religiös-spirituelle Tradition dem technokratischen Zugriff auf die Welt entscheidend widersetzt hat. Dies unterstreicht die Notwendigkeit gemeinsamer, dialogischer und interreligiöser Anstrengungen.
Im Weiteren werden zentrale Facetten christlicher Anthropologien skizziert, insbesondere mit Bezug auf die biblischen Schöpfungserzählungen, die eine wesentliche Verbindung des Menschen mit dem Erdboden und eine Verantwortung für den Garten Eden thematisieren. Diese Grundlagen werden dann in Relation zu islamischen Menschenbildern gesetzt, um Zusammenhänge, Differenzen und vor allem konkrete Aufgaben für die Mitwelt aufzuzeigen.