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TheoWebBogusław Milerski

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Bogusław Milerski

Antisemitismus und praxeologische Rationalität als religionspädagogische Herausforderung am Beispiel von Polen

Veröffentlichung:1.5.2026

Wie kann es Antisemitismus geben, wenn kaum noch Juden im Land leben? Der Artikel erklärt das polnische Phänomen des „Antisemitismus ohne Juden" als Konflikt im kollektiven Gedächtnis – und zeigt, warum Religionspädagogik hier ansetzt.

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Der Artikel untersucht das Phänomen des Antisemitismus in Polen aus religionspädagogischer Perspektive und betont dabei die Bedeutung des kollektiven Gedächtnisses. Das zentrale Konzept ist der „Antisemitismus ohne Juden" – ein paradoxes Phänomen, das sich in Polen heute manifestiert, obwohl die jüdische Bevölkerung nach dem Holocaust und der Emigration der 1960er Jahre auf weniger als 2.000 Menschen geschrumpft ist. Der Autor argumentiert, dass dieser Antisemitismus nicht primär auf reale Interessenskonflikte oder gegenwärtige Erfahrungen zurückzuführen ist, sondern in einem latenten kulturellen und bewusstseinsmäßigen Untergrund verankert liegt. Die historische Perspektive zeigt, dass die jüdische Präsenz in Polen bis ins 10. Jahrhundert zurückreicht und lange Zeit wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung förderte. Nach 1945 jedoch – als etwa 90 Prozent der polnischen Juden im Holocaust umgekommen waren – entstand eine komplexe Nachkriegssituation, die durch Rückwanderungsversuche, das Pogrom von Kielce 1946 und später durch die politische Instrumentalisierung von Antisemitismus 1968 geprägt war. Der Autor präsentiert die einflussreiche These des Soziologen Ireneusz Krzemiński, wonach der polnische Antisemitismus aus einer „Moralkonkurrenz" resultiert: Sowohl Polen als auch Juden haben sich als leidende Völker mit messianischer Sendung verstanden. Diese überlappenden moralischen Ansprüche führten zu einem Konflikt auf der Ebene des kollektiven Bewusstseins. Der Artikel plädiert dafür, dass Religionspädagogik diese latenten Formen von Antisemitismus und die kollektiven Erinnerungsmuster einer Gesellschaft erkennen und beforschen muss – nicht durch theoretische Abstraktionen wie „Halbbildung" oder interkulturelle Erziehungskonzepte allein, sondern durch eine bewusste Auseinandersetzung mit der Gedächtnispädagogik.

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