Der Artikel reflektiert über die historische Bedeutung und das absehbare Ende des Anthropozän-Konzepts, das der niederländische Chemiker Paul Crutzen vor 25 Jahren einführte. Der Begriff beschreibt die geochronologische Epoche, in der der Mensch zum maßgeblichen Einflussfaktor auf globale Prozesse wurde – sichtbar in Klimawandel, Biodiversitätsverlust und geochemischen Veränderungen. Besondere Aufmerksamkeit widmet der Autor der theologischen Auseinandersetzung mit anthropozentrischen Weltbildern, exemplarisch bei Papst Franziskus, der von einer „fehlgeleiteten Anthropozentrik" zu einem „situierten Anthropozentrismus" übergegangen ist. Diese Neukonzeption denkt den Menschen nicht isoliert, sondern relational in ökologische Beziehungsgefüge eingebettet und betont seine existenzielle Abhängigkeit von anderen Lebewesen.
Parallel zum Anthropozän-Konzept entstanden alternative Narrative wie das Kapitalozän (das kapitalistische Strukturen kritisiert), das Eurozän (Kolonialismus und Eurozentrismus), das Phobozän (Angst und Unsicherheit) und das Technozän (Technologie als Triebkraft). Der Autor argumentiert, dass der Zenit des Anthropozän-Begriffs bereits überschritten ist und sich ein neues Erdzeitalter abzeichnet: das Technozän, in dem Künstliche Intelligenz die menschliche Wirkmacht verdrängen wird. Damit verbunden ist eine ethische Verschiebung – weg von einer an den Menschen zentrierten Verantwortung hin zu einer Aufmerksamkeit für posthumane Machtkonstellationen, die bisherige Zukunftsvisionen wie jene von Orwell oder Huxley in den Schatten stellen dürften.