Der Text ist eine Predigt von Rainer Maria Kardinal Woelki zur Bischofsweihe von Georg Bätzing im Limburger Dom. Eine Bischofsweihe wird als öffentliches Ereignis beschrieben, das sowohl den Geweihten als auch die Gemeinschaft verändert. Besonders im Bistum Limburg richtet sich große Aufmerksamkeit auf dieses Ereignis, weil das Bistum in den Jahren zuvor stark im Fokus der Öffentlichkeit stand. Der neue Bischof wird gesandt, um den Menschen die Frohe Botschaft zu verkünden und die Gemeinschaft der Gläubigen zu stärken.
Im Zentrum der Predigt steht das Kreuz Christi. Das Kreuz ist nach Woelki der Kern des christlichen Glaubens und der Ursprung der Identität der Kirche. Die Tradition der Kreuzwoche im Bistum Limburg erinnert an diese Bedeutung. Nicht die äußere Schönheit der Kreuzreliquie im Domschatz ist entscheidend, sondern das Kreuz selbst als Zeichen der Erlösung. Für den Bischof bedeutet dies den Auftrag, Christus zu verkünden und besonders das Geheimnis des Kreuzes in den Mittelpunkt zu stellen.
Der Apostel Paulus dient dabei als theologisches Vorbild. Christus soll nicht durch rhetorische Kunst oder kluge Worte verkündet werden, sondern in der Wahrheit seines Kreuzes. Ohne das Kreuz gäbe es nach Woelki weder Erlösung noch Evangelium noch Christentum. Erst im Blick auf den gekreuzigten Christus wird deutlich, wer Gott ist und wer der Mensch ist. Gott zeigt sich im Kreuz als Gott der Liebe. Diese Liebe ist keine romantische Vorstellung, sondern eine radikale Hingabe Gottes für die Menschen.
Die Predigt erklärt, dass Gott seinen Sohn aus Liebe zur Welt hingibt. Jesus Christus nimmt das menschliche Leben und sogar den Tod an. Anders als der Mensch, der oft selbst wie Gott sein möchte, lebt Christus in vollkommenem Gehorsam gegenüber Gott. Durch seine Selbsthingabe am Kreuz wird er erhöht und offenbart den wahren Gott als Gott der Nähe und der Liebe.
Das Kreuz gibt auch Orientierung für das Verständnis des menschlichen Lebens und der Welt. Wer auf den gekreuzigten Christus blickt, erkennt, dass das Leben von Gottes Barmherzigkeit getragen ist. Daraus ergibt sich die Identität der Kirche. Der Bischof hat die Aufgabe, diese Botschaft nicht nur zu verkünden, sondern auch zu leben. Seine Sendung besteht darin, Zeuge von Tod und Auferstehung Jesu zu sein.
Aus diesem Glauben entstehen auch konkrete Aufgaben für Kirche und Gesellschaft. Dazu gehören der Einsatz für Frieden, soziale Gerechtigkeit, Menschenwürde sowie die Unterstützung von Armen, Kranken, Heimatlosen und Sterbenden. Auch der Schutz des ungeborenen Lebens wird genannt. All diese Aufgaben gehen nach Woelki aus dem Geheimnis des Kreuzes hervor.
Ein weiterer Schwerpunkt ist die Verantwortung des Bischofs für die Einheit der Kirche. Der Wahlspruch des neuen Bischofs Congrega in unum bedeutet Menschen in der Einheit zusammenzuführen. In der Kirche gibt es unterschiedliche Charismen und Begabungen. Diese Vielfalt soll nicht zu Spaltung führen, sondern in einer gemeinsamen Sendung zusammenwirken.
Die Predigt betont außerdem die Bedeutung von Barmherzigkeit. Menschen sind gefährdet und auf Zuwendung angewiesen. Das Kreuz zeigt die radikale Liebe Gottes zu den Menschen. Gleichzeitig respektiert diese Liebe auch die Freiheit des Menschen. Die Kirche ist dazu berufen, diese barmherzige Haltung in der Welt sichtbar zu machen.
Schließlich wird die Kirche als universales Zeichen des Heils beschrieben. Sie hat nur einen Herrn, Jesus Christus. Ihre Zukunft hängt davon ab, ob sie die verschiedenen Gaben und Charismen der Menschen erkennt und fördert. Der Bischof hat die Aufgabe, diese Vielfalt zu begleiten und gleichzeitig die Einheit der Kirche zu sichern. Wenn dies gelingt, können Menschen zum Glauben ermutigt werden und Gott ihr Leben anvertrauen. Der Auftrag des Bischofs lässt sich letztlich in dem Wort Jesu zusammenfassen: Weide meine Schafe.