Das Fest Mariä Empfängnis am 8. Dezember steht im Zentrum eines theologischen Konzepts, das Maria als die sündlos gezeugte Mutter Jesu versteht. Grundlage dieser Lehre ist ein augustinisches Sündenverständnis, das Sünde eng mit Konkupiszenz – der Geschlechtslust – verbindet. Nach dieser Logik wird bei jedem Geschlechtsakt die Sündhaftigkeit der Eltern auf das gezeugte Kind übertragen. Um Jesus Christus vor dieser universalen menschlichen Sündhaftigkeit zu bewahren, wurde die Idee entwickelt, dass Maria selbst bereits ohne Sünde gezeugt werden musste. Dies sollte garantieren, dass der Sohn Gottes nicht mit der Sündhaftigkeit des menschlichen Leibes in Berührung kommt.
Die theologische Debatte über Mariens Sündlosigkeit ist älter als das Fest selbst. Bereits im 11. Jahrhundert verteidigte Eadmer, der Sekretär von Bischof Anselm von Canterbury, die unbefleckte Empfängnis. Im Mittelalter entstanden unterschiedliche Lösungsvorschläge: Während Eadmer dafür plädierte, dass Maria von Anfang an sündlos geschaffen wurde, argumentierte Bernhard von Clairvaux, dass Gott Maria auch nachträglich entsündigen könnte – alles sei im Mysterium Gottes enthalten. Diese theologische Kontroverse wurde durch den Gegensatz zwischen volksfrömmigen Traditionen und kritischen Theologen wie Thomas von Aquin geprägt. 1854 entschied Papst Pius IX., die Lehre der unbefleckten Empfängnis zum verbindlichen Dogma zu erheben – ein bemerkenswerter Schritt, da diese Dogmatisierung sich weder auf biblische Quellen noch auf eine einheitliche kirchliche Tradition stützen konnte, sondern allein auf das päpstliche Lehramt und ein diffuses „allgemeines Bewusstsein der Kirche".