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„Nostra aetate“ – Von der Gemeinsamkeit zur Differenz

Veröffentlichung:1.5.2026

50 Jahre nach Nostra aetate bleibt die Konzilserklärung zur Haltung der Kirche gegenüber nichtchristlichen Religionen zeitlos bahnbrechend und erfordert ihre Aktualisierung im gegenwärtigen politischen und theologischen Kontext.

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Der Artikel würdigt das 50-jährige Jubiläum von Nostra aetate (1965) als Anlass, diese wegweisende Konzilserklärung des Zweiten Vatikanums neu zu interpretieren und für die Gegenwart fruchtbar zu machen. Die Entstehung der Erklärung wird dabei im Kontext der Nachkriegszeit verortet: Die Erfahrung der Weltkriege und insbesondere der Shoah führten zu einer kritischen Rückfrage nach den theologischen Wurzeln des christlichen Antijudaismus und der gewalttätigen Kirchengeschichte gegenüber Juden und Jüdinnen. Papst Johannes XXIII. initiierte daraufhin eine Erklärung zur kirchlichen Haltung zum Judentum. Doch dieser ursprüngliche Plan wurde durch Interventionen von Bischöfen aus dem Nahen Osten, Asien und Afrika grundlegend erweitert: Sie forderten, dass eine solche Erklärung nicht nur das Judentum berücksichtigen dürfe, sondern auch den Islam, Buddhismus, Hinduismus und andere Religionen einbeziehen müsse, um die weltweite Perspektive der katholischen Kirche angemessen abzubilden und die Lebenserfahrungen von Christen in verschiedenen Kulturräumen zu würdigen. Das Neue und theologisch Revolutionäre von Nostra aetate liegt in ihrer Grundhaltung: Obwohl sie mit fünf Abschnitten die kürzeste Konzilserklärung ist, war sie die erste ihrer Art in 2000 Jahren katholischer Kirchengeschichte. Zentral ist die Anerkennung, dass in nichtchristlichen Religionen Wahrheit und Heiligkeit zu finden sind und dass diese einen „Strahl jener Wahrheit erkennen lassen, die alle Menschen erleuchtet". Entscheidend ist zudem, dass die lateinische Originalfassung von „habitudine" (Haltung) spricht – nicht nur von einem abstrakten Verhältnis, sondern von einer Haltung, die entsprechendes Handeln impliziert und fordert. Dies bedeutet eine Entgrenzung des Wahrheitsbegriffs: Die Kirche erkennt an, dass Wahrheit nicht ihr allein vorbehalten ist.

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