Die Bilder, die man von Luther gezeichnet hat, sind höchst unterschiedlich. Die Reformationsjubiläen, die jedes Jahrhundert begangen wurden, sind aufschlussreich für die Entwicklung der lutherischen Kirchen. Katholischerseits hat man Luther fast ausschließlich als Kirchenspalter in den Blick genommen. Erst die Reformationsgeschichte von Joseph Lortz (1939) versuchte, den Reformator in seinem Anliegen ernst zu nehmen; Kardinal Willebrands hat ihn 1970 als unseren gemeinsamen Lehrer bezeichnet. Das Reformationsjahr 2017 wird in ökumenischem Sinn begangen, katholische und evangelische Kirchen in Deutschland haben gemeinsamen zu einer Heilung der Erinnerung und einem gemeinsamen Zeugnis für Christus und die Botschaft von der Rechtfertigung aufgerufen. Diese stellt das Zentrum der Lehre Luthers dar und sie vermag, recht interpretiert, auch auf die Fragen der Gegenwart eine Antwort zu geben. Die Lutherbilder, die man in den 500 Jahren seit der Reformation gezeichnet hat, verraten mehr über die geistige Ausrichtung derer, die sie entworfen haben, als über den Wittenberger Reformator. Ungeachtet der Tatsache, dass die Schriften Luthers und sein Leben bereits in der zweiten Hälfte des