Der Artikel beginnt mit einer zugespitzten Szene aus der Praxis: In einer Messe am Dreifaltigkeitssonntag erklärt ein Kaplan das Geheimnis der Trinität mithilfe eines Zaubertricks mit Seilstücken – mal drei, mal eins, am Ende sogar als geschlossener Ring. Die Gemeinde applaudiert, anschließend wird als „Lied zum Credo“ das bekannte Kirchenlied „Gott ist dreifaltig einer“ (GL 489) gesungen. Danach folgt im Eucharistiegebet eine Präfation, die vor allem trinitätstheologische Kernsätze ausbreitet. Die Autoren fragen kritisch, ob solche Formen – Zauberkunststücke und dogmatischer Extrakt – wirklich das sind, was Liturgie über den dreieinen Gott zu sagen hat. Gerade die Präfation wirke wie eine Belehrung Gottes über Ergebnisse theologischer Reflexion, statt als Gebet lebendig zu Gott zu sprechen.
Damit ist die Leitfrage gestellt: Wie ist der Grundsatz „lex orandi lex credendi“ (Beten und Glauben gehören zusammen) zu verstehen, wenn liturgische Redeweise und dogmatische Präzision nicht automatisch zusammenpassen? Die Autoren betonen, dass die Liturgie sehr wohl an zentralen Stellen angemessen und biblisch fundiert vom dreieinen Gott spricht – allerdings in einer eigenen Logik: nicht primär als Lehrsatz über das „Innenleben“ Gottes, sondern als Lobpreis des Gottes, der in der Heilsgeschichte handelt und dem die Gemeinde im Gottesdienst begegnet.
Als Schlüsselstelle nennen sie die Schlussdoxologie des Eucharistiegebets: „Durch ihn und mit ihm und in ihm … in der Einheit des Heiligen Geistes …“ Diese Formel (und ihre ältere Kurzform „Ehre ist dem Vater durch den Sohn im Heiligen Geist“) beschreibt das Verhältnis von Gott und Mensch aus der Perspektive der Offenbarung und der liturgischen Handlung: Adressat des Gebets ist der Vater, zu ihm haben Christen Zugang durch Christus, und beten können sie in der Gemeinschaft bzw. im Atem des Heiligen Geistes. In dieser „dynamischen“ Doxologie werden Vater, Sohn und Geist nicht abstrakt nebeneinandergestellt, sondern so genannt, wie sie in der Heilsgeschichte „hervortreten“: Gott als Ursprung und Ziel, Christus als Mittler, der Geist als Lebenskraft und Einheit stiftende Gegenwart in der Kirche.
Historisch zeigen die Autoren, dass diese dynamische Redeweise im 4. Jahrhundert in den Auseinandersetzungen um den Arianismus unter Druck geriet. Weil Arius die Göttlichkeit des Sohnes relativierte, wurde die liturgische Sprache zum theologischen Kampffeld. Um die Wesensgleichheit zu betonen, setzte sich stärker eine „additive“ Doxologie durch: „Ehre ist dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist“. Die Autoren illustrieren das mit einer Episode bei Theodoret von Cyrus, in der ein Bischof sich bei der Doxologie durch leises Sprechen um eine eindeutige Festlegung zu drücken versucht. Gerade daran wird deutlich, wie sensibel Liturgie gegenüber dogmatischen Konflikten war – und wie sehr Formulierungen als Bekenntniszeichen gelesen wurden.
Entscheidend ist für die Autoren: Beide Doxologieformen haben ihren legitimen Ort, sie widersprechen sich nicht. Die additive Form hat eher den Blick auf das Geheimnis Gottes in sich selbst; die dynamische Form betont, wie Gott sich uns zeigt und wie wir ihm antworten. So bewahrt die Liturgie – trotz Streit und Präzisierung – beide Zugänge: Lob der göttlichen Liebe, wie sie „ist“, und Lob der göttlichen Liebe, wie sie „für uns“ wirksam wird. Auch der Eröffnungsdialog des Hochgebets („Der Herr sei mit euch … Erhebet die Herzen … Lasset uns danken …“) wird als liturgisch dichter Prozess gedeutet: Die Gemeinde vergewissert sich der Gegenwart Christi im Geist und tritt so mit Christus, im Geist, vor den Vater.
Vor diesem Hintergrund kritisieren die Autoren das „Credo-Lied“ GL 489 als problematische Banalisierung. Das Lied historisiere die Heilsaussage, weil es die göttlichen Handlungen in die Vergangenheit verlege („schuf“, „hat erlöset“, „uns auserwählt“) und dadurch den Eindruck erwecke, Vater, Sohn und Geist hätten ihre Aufgaben erledigt und seien jetzt nicht mehr gegenwärtig wirksam. Zudem verenge der Text den Glauben stark auf das individuelle Heil („dass ich in meinem Leibe …“) und blende zentrale Dimensionen des Glaubensbekenntnisses aus, etwa Kirche, Gemeinschaft der Heiligen und die liturgische Vergegenwärtigung des Heils. Vor allem fehle dem Lied die biblische Dynamik der Beziehungen: Es werde kaum spürbar, warum es gerade Vater, Sohn und Geist sind und nicht beliebige drei Figuren; die Trinität erscheine als paritätische Arbeitsteilung (Schöpfung – Erlösung – Erwählung), nicht als lebendige Beziehung und Gegenwart Gottes.
Die Pointe des Artikels lautet: Liturgische Sprache kann trinitarischen Glauben wirklich tragen – aber nicht durch Zaubertricks, nicht durch bloßen dogmatischen „Extrakt“ und nicht durch verkürzende Liedformeln, die das Geschehen in die Vergangenheit schieben. Angemessen ist eine Sprache, die den dreieinen Gott als den heute handelnden, in Christus vermittelten und im Geist gegenwärtigen Gott lobt – so, wie es die Liturgie in ihren zentralen Doxologien exemplarisch vormacht.