Der Aufsatz erschließt den existentiellen Gehalt von „Rechtfertigung“ bei Paulus, bei Luther und in der Gegenwart. Zu diesem Zweck mustert er zunächst aktuelle Versuche katholischer (und ökumenischer) Rezeption, die beunruhigend vordergründig wirken. Im Ausgang vom „Turmerlebnis“ zeigt er die mystischen Wurzeln von Luthers reformatorischem Durchbruch auf und vergleicht die klassische lutherische Rechtfertigungslehre mit dem Verstehensmodell der neuen Paulusperspektive. Was Paulus und Luther bei allen historischen und theologischen Unterschieden verbindet, ist das Leitproblem der Zugänglichkeit Gottes. Gottfindung und Selbstfindung bilden eine innere Einheit: In dieser Grunderfahrung liegt auch im Jahr 2017 das noch immer auszuschöpfende Potential der Rechtfertigungsbotschaft.1