2018 jährt sich zum fünfzigsten Mal das Erscheinen der Enzyklika Humanae vitae, welche wie keine andere Enzyklika im 20. Jahrhundert öffentliche Reaktionen inner-halb und außerhalb der Kirche hervorrief. Mit ihrem generellen Verbot der Emp-fängnisverhütung mit Ausnahme der natürlichen Familienplanung rief sie vor allem in Europa und in den USA einen Sturm der Entrüstung und des Widerspruchs hervor und veranlasste zahlreiche Bischofskonferenzen zu entschärfenden Stellungnahmen. Im Rückblick markiert das päpstliche Rundschreiben ein Schlüsselereignis, um nicht zu sagen eine Zäsur, im kirchlichen Leben der Nachkonzilszeit. Die Enzyklika ver-tiefte die bereits bestehende Kluft zwischen der traditionellen Lehre der katholischen Kirche in dieser Frage und der Praxis der meisten katholischen Gläubigen und sie wurde zum Auslöser einer Infragestellung der kirchlichen, speziell päpstlichen Lehr-autorität, die bis heute nachwirkt. Der Beitrag zeigt die komplexe Entstehungsge-schichte der Enzyklika und die Stellungnahme der deutschen Bischofskonferenz in der Königsteiner Erklärung, die pastorale Klugheit mit der Treue zum Papst verband und in der Situation alternativlos war.