Angesichts der Corona-Pandemie wurden nicht selten christliche Stimmen zur Orientierung aus dem Glauben vermisst. Verstummte die Kirche, weil auf die unvorstellbare Zahl der einsam Sterbenden und der Toten, aber auch auf das unmessbare seelische und körperliche Leiden und die weltweiten ökonomischen Folgen keine allseits überzeugende Antwort zur Verfügung steht? Der Münchener Dogmatiker zeigt in seinen Überlegungen, dass auch jenseits der Theodizeefrage das christliche Gottes-, Menschen- und Schöpfungsverständnis durch die Pandemie herausgefordert ist, gerade aber auch inmitten dieser bedrohenden Erfahrungen am Sinn des Lebens und an der Freiheit des Menschen festhält. Natürlich wirft die Pandemie, mit der das Erdenrund kämpft, die Theodizeefrage auf. Aber so hoch will der folgende Gedankengang nicht greifen. Es gibt auch im Vorfeld der Jahrtausendfragen genug Gesprächsstoff, und die Basis der dogmatischen Recherche, das Credo der Kirche, spornt mit ihrer abgeklärten, plakativen Formelsprache zum unablässigen Rekurs an: Wie hilfreich ist der offiziell bekannte Glaube im Ansturm existenzieller Nöte? Was trägt er zu Antworten jenseits der vordergründigen Parole bei? Welche Warte bietet er, um bei weltanschaulichen Erdbeben nach Orientierung zu fahnden? Es ist eine Art Fundamentaldogmatik, die sich in den folgenden Zeilen artikulieren will.