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Eulenfisch

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Schwerelose Skulpturen

Veröffentlichung:1.1.2017

Der Fachartikel „Schwerelose Skulpturen“ von Iris Maria Gniosdorsch ist im Heft ru-heute erschienen und umfasst etwa 4 Seiten. Der Artikel stellt den Holzbildhauer Thomas Hildenbrand und seine Skulpturen vor, die sich mit religiösen Motiven, besonders mit Engeln, dem Menschenbild und biblischen Themen beschäftigen. Im Zentrum stehen theologische Fragen nach dem Verhältnis von Mensch und Transzendenz, nach Hoffnung trotz scheinbarer Aussichtslosigkeit sowie nach der Möglichkeit des Unmöglichen im Glauben. Auch die Deutung biblischer Figuren wie Augustinus von Hippo und Motive aus dem Brief an die Römer werden aufgegriffen.

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Der Artikel beschreibt das Werk des Holzbildhauers Thomas Hildenbrand, der sowohl Restaurierungen und Nachbildungen historischer Holzfiguren anfertigt als auch eigene Skulpturen entwickelt. Seine Arbeiten greifen die Schnitztechnik süddeutscher Barockbildhauer auf und verbinden traditionelle Handwerkskunst mit modernen künstlerischen Konzepten. Die Figuren zeigen deutliche Spuren der Bearbeitung und wirken oft fragmentiert oder zusammengesetzt. Arme, Beine oder Torsi sind teilweise getrennt und neu verbunden, wodurch widersprüchliche Bewegungsrichtungen entstehen. Diese Gestaltung erzeugt eine starke Spannung zwischen Ruhe und Bewegung sowie zwischen Schwere und scheinbarer Schwerelosigkeit.

Viele Figuren wirken, als befänden sie sich kurz vor einer Bewegung oder als würden sie schweben. Häufig erscheinen Flügel oder andere Elemente, die das Motiv des Fliegens andeuten. Gleichzeitig wirken manche Figuren blockiert oder eingeschränkt. Dadurch entsteht ein Gegensatz zwischen dem menschlichen Wunsch nach Überwindung der Schwerkraft und der realen Begrenztheit des Körpers. Die Skulpturen lösen beim Betrachter Irritation aus, weil sie mehrere Bewegungsrichtungen und Bedeutungen gleichzeitig zeigen.

Ein zentrales Beispiel ist eine Skulptur des Kirchenvaters Augustinus. Die Figur wirkt in sich gekehrt und zeigt das Ringen des Theologen um Erkenntnis und Wahrheit. Ein langes Band symbolisiert die biblische Schriftrolle und verweist auf zentrale Gedanken aus dem Römerbrief. Dort wird einerseits kritisiert, dass Menschen sich an Macht und Reichtum orientieren statt über Gott nachzudenken. Andererseits wird Abraham als Beispiel für Glauben gegen jede Hoffnung dargestellt. Die Skulptur macht dieses Ringen zwischen rationalem Denken und Vertrauen auf Hoffnung sichtbar.

Ein wichtiges Gestaltungselement im Werk Hildenbrands ist der Rahmen. Viele Figuren sind in schmale Holzrahmen eingebaut, wirken aber gleichzeitig, als würden sie sich daraus lösen. Der Rahmen symbolisiert die Grenzen von Raum und Zeit, in denen der Mensch lebt. Zugleich zeigt die scheinbar schwebende Figur das menschliche Streben, diese Grenzen geistig zu überschreiten. Engel erscheinen dabei als Boten einer Wirklichkeit, die über den Menschen hinausweist.

In einigen Werken stehen menschliche Figuren und Engel einander gegenüber. Dabei sind beide Darstellungen bewusst gebrochen. Der Engel ist nicht vollkommen, sondern beschädigt oder fragmentiert. Der Mensch erscheint dagegen oft in sich gekehrt und auf sich selbst bezogen. Der Artikel deutet dies theologisch. Weder ein idealisierter Engel noch ein ausschließlich auf sich selbst bezogener Mensch entspricht dem biblischen Verständnis. Stattdessen soll der Mensch seine Vernunft und Empathie nutzen, um andere Menschen wahrzunehmen und ihnen mit Liebe zu begegnen. Engel werden daher als Bilder oder Metaphern für Fremde verstanden, die neue Perspektiven und universelle Ideen in eine Gemeinschaft hineintragen.

Auch die Skulptur zur Verkündigung greift diese Idee auf. Eine Frau und eine männliche Figur sind in einer ungewöhnlichen Körperhaltung miteinander verbunden. Die Darstellung erinnert an die biblische Geschichte der Verkündigung im Lukasevangelium. Dort wird Maria trotz gesellschaftlicher Normen schwanger. Diese Situation erscheint unmöglich und wird dennoch als Teil des göttlichen Handelns verstanden. Die Skulptur visualisiert damit die religiöse Idee, dass scheinbar Unmögliches möglich werden kann.

In neueren Arbeiten erweitert Hildenbrand sein Konzept der schwerelosen Skulptur. In einer Installation mit einem beschädigten Baumtorso und zahlreichen Krähen entsteht ein bedrohliches Bild. Die Szene erinnert an Gedichte von Friedrich Nietzsche, die Heimatlosigkeit und existenzielle Angst thematisieren. Der Artikel deutet diese Darstellung als Kommentar zur Gegenwart. Themen wie Unsicherheit, gesellschaftliche Spannungen und Ausgrenzung werden symbolisch sichtbar gemacht.

Insgesamt interpretiert der Artikel Hildenbrands Skulpturen als künstlerische Auseinandersetzung mit grundlegenden Fragen des Menschseins. Die Werke verbinden religiöse Symbolik mit gesellschaftlicher Kritik. Sie zeigen den Menschen zwischen Begrenzung und Hoffnung, zwischen Verletzlichkeit und dem Wunsch nach Transzendenz. Dabei wird immer wieder die Idee betont, dass Hoffnung auch dort möglich bleibt, wo sie rational kaum begründet erscheint.

Hessen

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