Für Irene Schulmeister Der aktuelle Missbrauchsskandal fordert eine theologische Reflexion über die Kirche, die als heilige zugleich kollektives Subjekt von Sünde ist. In diese Diskussion bringt der Artikel die Ekklesiologie des Deuteronomiums ein. Als Paradigma kollektiver Schuld in der Geschichte dient ihr die Kundschaftergeschichte (Dtn 1,19–46). Sie erzählt von der „Ursünde“ des ganzen Volkes, das sich gegen den Auftrag Gottes „auflehnt“, in das verheißene Land zu ziehen, und Gott verleumdet, weil es ihm „nicht glaubt, vertraut“. Die Bestrafung Gottes differenziert gerecht innerhalb des Volksganzen. Nicht kollektive Zugehörigkeit, sondern moralische Verantwortung und gesellschaftliche Solidarität aller bilden den Maßstab einer „korporativen Vergeltung“. Dennoch bleibt Israel das „heilige Volk“ Gottes.