Der folgende Beitrag befragt das Fabriktagebuch von Simone Weil, inwiefern hier ihre konkreten Beschreibungen der Arbeit an Maschinen und mit Dingen als eine protophänomenologische Analyse materieller Beziehungsqualität gelesen und verstanden werden können. Anhand der Soziologie der Weltbeziehung wird von der Annahme ausgegangen, dass auch die Dinge durch ihre konkrete materielle Beschaffenheit Anteil an Beziehungen haben und die Möglichkeit für Resonanz befördern oder beschränken. Ihre Aufzeichnungen werden daher auf die dort enthaltenen Erfahrungen von Resonanz und Entfremdung befragt und so Schlussfolgerungen im Hinblick auf die Möglichkeiten eines denkenden Kontaktes mit der materiellen Welt gezogen. Dinge ermöglichen und beeinflussen die Beziehungen, deren Bestandteil sie sind. Deutlich wird dies u. a. im Handwerk. So betont beispielsweise der Soziologe Richard Sennett in seinem gleichnamigen Werk, dass oftmals tausende Stunden Erfahrungen nötig sind, bis jemand z. B. ein Schreinermeister geworden ist. Handwerk wird von Sennett als eine Beziehung beschrieben, die einen sinnlichen und experimentellen Umgang mit den Dingen sucht, darauf horcht, was das Material sagt und wie es auf Handlungen durch seine Materialität reagiert, z. B. wenn das Holz Risse ausbildet oder das Eisen sich der Verformung widersetzt – wie auch der Soziologie Hartmut Rosa in Anschluss an Sennett betont. 1 Mit Rosa lässt sich hier festhalten, dass aus weltbeziehungssoziologischer Perspektive auch die Dinge Anteil an Resonanzbeziehungen haben können, sofern hier – wie z. B. im Handwerk – ein wechselseitiges Beziehungsgeschehen vorliegt, an dem auch die Dinge durch Entfaltung ihrer Eigendynamik beteiligt sind. Wird hingegen diese Eigendynamik durch Kontrolle oder Manipulation dem subjektiven Verfügungsanspruch untergeordnet, dann lässt sich von einer Beziehung der Entfremdung sprechen, in der die Ding zur passiven Verfügungsmasse degradiert sind.2 Sennett betont daher, dass mit der Industrialisierung eine Umkehrung des Verhältnisses von Qualität und Quantität der Dinge einsetzt, da ihre normierte Produktion einer responsiven Antwortbeziehung zwischen Mensch und Material keinen Raum mehr lässt, und reiht sich damit in eine Kritik ein, die seit John Ruskin und Karl Marx zahlreiche Fürsprecher gefunden hat.3 Was in diesem Bezug Rosa hier nur kursorisch andeutet, lässt sich weiter hinsichtlich der konkreten Beschaffenheit der Dinge als