Der Artikel analysiert die religiösen Strukturen im Denken der amerikanisch russischen Schriftstellerin Ayn Rand und besonders in ihrem Roman Atlas Shrugged. Ihre Werke sind in den USA sehr einflussreich und prägen Teile des konservativen politischen und wirtschaftlichen Denkens. Viele Leser sehen in ihren Romanen eine philosophische Rechtfertigung für radikalen Kapitalismus, Individualismus und einen vollkommen freien Markt. Der Artikel deutet diese Vorstellungen religionswissenschaftlich als eine Form von Spiritualität des Geldes.
Zur Deutung des Phänomens greift der Autor auf die Religionsphilosophie von Rudolf Otto zurück. Otto beschreibt das Heilige als Erfahrung eines numinosen Geheimnisses, das zugleich erschreckend und faszinierend ist. Dieses Erlebnis nennt er Mysterium tremendum et fascinans. Hauser zeigt, dass in Rands Romanen ähnliche religiöse Strukturen auftreten, nur dass das Heilige nicht mehr Gott ist, sondern wirtschaftliche Leistung und Geld. Geld erscheint dort als Quelle von Ordnung, Freiheit und Gerechtigkeit. Menschen, die wirtschaftlich erfolgreich sind, werden als heroische Persönlichkeiten dargestellt, die sich durch Leistung und Disziplin über andere erheben.
Der Artikel erläutert anschließend das Leben von Ayn Rand. Sie wurde als Alisa Rosenbaum in Russland geboren, erlebte Revolution und Enteignung ihrer Familie und wanderte später in die USA aus. Diese Erfahrungen prägten ihre radikale Ablehnung staatlicher Kontrolle und kollektivistischer Systeme. In den Vereinigten Staaten entwickelte sie ihre Philosophie des Objektivismus, die rationalen Individualismus, Privateigentum und uneingeschränkten Kapitalismus betont.
Ein wichtiger Hintergrund ihres Denkens ist die amerikanische Gründungsmythologie. Der Artikel beschreibt den Mythos der puritanischen Pilgerväter, die im 17. Jahrhundert nach Nordamerika kamen und sich als von Gott erwähltes Volk verstanden. Sie sahen ihr Leben als harte Aufgabe und interpretierten wirtschaftlichen Erfolg als mögliches Zeichen göttlicher Gnade. Diese religiöse Tradition verbindet Arbeit, Leistung und Erwähltheit. Hauser zeigt, dass Rand diese kulturellen Motive säkularisiert und in eine Ideologie wirtschaftlicher Leistung überführt.
Im Roman Atlas Shrugged wird eine Zukunft der USA dargestellt, in der leistungsfähige Unternehmer durch staatliche Regulierung, Sozialpolitik und Gewerkschaften behindert werden. Die produktiven Unternehmer gelten als schöpferische Elite, während Politiker und Sozialpolitiker als parasitäre Figuren erscheinen. Diese Gegensätze werden im Roman stark moralisch und teilweise biologisch überzeichnet. Unternehmer werden als schöpferische Helden dargestellt, während ihre Gegner als schwach, dekadent oder unmoralisch beschrieben werden.
Zentrale Figur des Romans ist John Galt, der als Symbol für den schöpferischen Unternehmer steht. Gemeinsam mit anderen erfolgreichen Unternehmern zieht er sich aus der Gesellschaft zurück und gründet eine neue Gemeinschaft freier Produzenten. Dort gilt das Prinzip, dass jeder ausschließlich für sich selbst arbeitet und wirtschaftlicher Erfolg das höchste Ziel ist. Das Symbol dieser neuen Ordnung ist ein großes Dollarzeichen aus Gold. Der Roman beschreibt diese Gemeinschaft in einer fast religiösen Sprache und deutet die Rückkehr der Unternehmer als eine Art Erlösung der Gesellschaft.
Hauser interpretiert diese Darstellung als eine Verwandlung religiöser Vorstellungen in wirtschaftliche Ideologie. Der schöpferische Unternehmer wird zum Erlöser, wirtschaftlicher Erfolg zum Zeichen moralischer Überlegenheit und Geld zum Symbol des Heiligen. In dieser Perspektive wird Kapitalismus zu einer Art säkularer Religion. Der Artikel warnt davor, dass eine solche Ideologie soziale Verantwortung und Solidarität ausblendet und Menschen ausschließlich nach wirtschaftlicher Leistung bewertet.