Der Artikel von Sonja Angelika Strube befasst sich mit der Problematik antijüdaistischer Stereotypen in der christlichen Bibeldidaktik und deren Beitrag zur Entstehung von Antisemitismus. Die Autorin argumentiert, dass biblische Texte für viele Menschen die Hauptquelle von Wissen über das Judentum darstellen, weshalb ihre didaktische Vermittlung große Verantwortung trägt. Gestützt auf vorurteilspsychologische Forschung identifiziert sie Kontakt zu Angehörigen der Fremdgruppe und Empathiefähigkeit als zentrale Präventionsfaktoren gegen Vorurteile, die durch gute Bibeldidaktik gefördert werden können. Der Text zeigt, dass das Neue Testament zwar innerjüdische theologische Polemiken enthält, diese aber in der christlichen Auslegungsgeschichte verabsolutiert und als generelle Verwerfung des Judentums interpretiert wurden. Diese Uminterpretation wurzelt in einem Prozess des Otherings, durch den sich das Christentum seine Identität durch scharfe Abgrenzung vom konstruiert homogenen Judentum formte. Die Shoah markierte einen Wendepunkt, nach dem Kirchen erkannten, dass christliche Judenfeindschaft zum rassistischen modernen Antisemitismus beitrug. Der Artikel betont, dass sachgerechte Bibeldidaktik die Vielfältigkeit biblischen Judentums, die gemeinsamen Wurzeln von Juden- und Christentum sowie die jüdische Identität biblischer Figuren deutlich machen muss, um antijüdaistische Klischees zu vermeiden und stattdessen Perspektivenwechsel und emotionales Verständnis zu fördern.