Der Artikel analysiert Beten als grundlegendes Phänomen religiöser Kommunikation mit Gott im christlichen Verständnis. Historisch-biblisch werden Gebetsformen in der hebräischen Bibel und im Neuen Testament untersucht, besonders die Psalmen als Lob, Klage, Bitte und Dank. Religionswissenschaftlich wird Beten als Selbstausdruck und Kontaktaufnahme mit einer transzendenten Macht verstanden, die Transzendenzerfahrung ermöglicht. In der Theologiegeschichte zeigen sich unterschiedliche Gebetsfrömmigkeitsströmungen vom Mönchtum bis zur Ökumenischen Bewegung, wobei Gebet als leiblicher Vollzug in Resonanzbeziehung mit Gott verstanden wird. Die christliche Gebetspraxis ist vielfältig und wird nicht nur verbal, sondern auch körpersprachlich durch Mimik, Gestik und Körperhaltungen ausgestaltet, mit konfessionsspezifischen Unterschieden zwischen evangelischen und katholischen Traditionen. Aktuelle Fragen betreffen multi- und interreligiöse Gebetsformen sowie die Vermittlung von Gebetserfahrung in religionspädagogischen Kontexten. Empirische Studien zeigen einen Rückgang personaler Gottesverständnisse bei Jugendlichen, während mehr als die Hälfte der Deutschen betet, oft ohne strikte Lehrbindung. Die Gebetssozialisation durch Begleitung und Mitbeten anderer Personen sowie die Bedingungen und Räume des Betens prägen nachhaltig die Glaubenserfahrung. Der Artikel hebt hervor, dass Gebetspraxis zwischen gebundener und freier Gebetssprache variiert und dass biografische Erfahrungen maßgeblich für individuelle Gebetsformen sind.