Martina Steinkühler entwickelt ein Modell diskursiver Bibeldidaktik, das die Vermittlung biblischer Inhalte im konfessionellen Religionsunterricht beschreibt. Das bibeldidaktische Dreieck berücksichtigt die Gestalt der Bibel, die Situation der Lernenden und die Konstruktion von Lernprozessen. Der Artikel unterscheidet drei Dimensionen des Bibellernens: das Bibellernen als Objekt, das Lernen mit der Bibel als Quelle von Inhalten und das Lernen an der Bibel als existenzielle Erfahrung. Die Lehrkraft wird als doppelt gebunden charakterisiert – zwischen Bildungsauftrag und kirchlichem Bekenntnis. Eine zentrale Forderung ist die Offenlegung der eigenen Haltung der Lehrkraft bei gleichzeitiger Relativierung: "So glaube ich; andere glauben anders". Der Beutelsbacher Konsens mit seinen Prinzipien (Überwältigungsverbot, Kontroversität, Analysefähigkeit) dient als Orientierungsrahmen. Methodisch werden vielfältige Zugänge empfohlen, die stets mit reflexiver Distanz verbunden sein sollten, um Manipulation zu vermeiden. Der Artikel dokumentiert die zunehmende Heterogenität moderner Schulklassen, in denen Schülerinnen und Schüler ganz unterschiedliche Haltungen zur Bibel vertreten – vom Glauben bis zur Ablehnung. Das Konzept ermöglicht es, diese Pluralität produktiv in Lernprozesse zu integrieren und Schülerinnen und Schülern bei der Bildung begründeter eigener Positionen zu unterstützen.