Der Artikel von Ulrike Baumann untersucht die Verwendung biblischer Ganzschriften im Religionsunterricht aus bibeldidaktischer Perspektive. Während Jugendliche der Bibel häufig distanziert begegnen, bietet die Lektüre ganzer biblischer Bücher einen Kompetenzzuwachs: Schülerinnen und Schüler lernen, biblische Texte als kohärente Werke mit eigenständigem literarischem und theologischem Profil zu verstehen. Dies ermöglicht es, die Bibel als vielfältiges menschliches Zeugnis des Glaubens lebendig werden zu lassen und damit exegetischen Ansprüchen besser gerecht zu werden. Der Artikel erörtert die Auswahl geeigneter Bibelübersetzungen, wobei die Lutherbibel für ihre sprachliche Einleuchtendheit und die BasisBibel für ihre digitale Zugänglichkeit und moderne Textgestaltung plädiert wird. Konkrete unterrichtliche Beispiele werden genannt: Die Genesis als Kanoneinstieg, verschiedene Evangelien zur Schärfung des Sinns für theologische Profile, und der Galaterbrief als dialogisch zu lesender Text. Der Artikel betont, dass die Ganzschriftlektüre zur Überwindung von Bibelunverständnissen beiträgt und Schülerinnen und Schüler herausfordert, eine eigene differenzierte Perspektive auf biblische Inhalte zu entwickeln. Abschließend wird festgestellt, dass jede Fachkonferenz unter Berücksichtigung ihrer spezifischen Schülerpopulation entscheiden muss, welche biblischen Bücher als Ganzschriften im Unterricht eingesetzt werden.