Der Artikel bestimmt liturgische Bildung als elementare Komponente religiöser Bildung, die die identitätsstiftenden Rituale, Gebete und Gottesdienstformen einer Religionsgemeinschaft zum Gegenstand hat. Sajak und Schulze Pröbsting zeigen, dass liturgische Bildung historisch eine lange Tradition aufweist, konzeptionell aber erst in der Liturgischen Bewegung (1850–1950) erfasst wurde, besonders durch Romano Guardini, der sie als ganzheitliche Einübung in „liturgisches Verhalten" verstand. Sie analysieren die Vernachlässigung in modernem Religionsunterricht und ihre Wiederaufnahme im Kontext „Performativen Religionsunterrichts". Die Autoren skizzieren drei Gegenstandsbereiche (liturgische Propädeutik, kommunikative Kompetenz, liturgische Realienkunde) und präsentieren verschiedene Konzeptionierungen (Mendl, Lentner, Husmann/Klie). Abschließend benennen sie offene Fragen: zur Balance zwischen Erfahrung und Reflexion, zum Zusammenhang verschiedener Lernorte und zur Kompetenzentwicklung von Lehrkräften angesichts von Traditionsabbruch.