Religionssensible Bildung und Erziehung ist eine religionspädagogische Handlungstheorie, die sowohl der Pädagogik als auch der Theologie angehört und davon ausgeht, dass jeder Mensch eine innere Sensibilität für Religion besitzt. Der Begriff stammt aus dem Forschungsprojekt "Religion in der Jugendhilfe" von Lechner und Gabriel (2009) und wurde später auf die Elementarpädagogik übertragen, um pädagogischen Fachkräften eine Praxistheorie zum Umgang mit religiösen Fragen bereitzustellen. Das Konzept basiert auf einem dreifachen Erfahrungsbegriff: Alltags- und Grunderfahrungen, die sich zu Schlüsselerfahrungen verdichten, religiöse Erfahrungen, die eine Transzendenz-Dimension eröffnen, sowie konfessionelle Erfahrungen in Glaubensgemeinschaften. Daraus entwickelt sich ein dreistufiger Religionsbegriff von Lechner: Die erste Stufe beschreibt Religiosität als existenziellen Lebensglaube (in Anlehnung an Paul Tillich), die zweite als Transzendenz- oder Gottesglaube, der die Welt als auf eine höhere Realität verweisend deutet, und die dritte als Konfessions- oder Gemeinschaftsglaube in spezifischen religiösen Traditionen. Religionssensibilität wird weniger als kognitives Wissen über Religion verstanden, sondern als Empfindungsfähigkeit und Feinfühligkeit für das Religiöse – eher eine "Sache des Herzens" als des Verstandes. Im pädagogischen Kontext steht das Kind mit seinen individuellen Entwicklungsprozessen, Interessen und Bedürfnissen im Zentrum; die Fachkraft schafft eine anregende Umgebung, die selbsttätige Lernprozesse auch im Bereich der religiösen Bildung initiiert. Der Ansatz trägt dazu bei, dass Religion in Sozialberufen eine positive Konnotation erhält und berücksichtigt die religiöse Pluralität moderner Gesellschaften als zentrale Zukunftsaufgabe.