Der Artikel analysiert die historische Bedeutung und das Wirken Johannes Calvins, des Genfer Reformators und Gründungsvaters des reformierten Protestantismus. Calvins Leben wird von seiner Geburt 1509 in Noyon über seine humanistische und juristische Ausbildung in Paris, Orléans und Bourges nachgezeichnet, wobei die Bedeutung von Lehrern wie Mathurin Cordier und Melchior Volmar für seine intellektuelle Entwicklung hervorgehoben wird. Die reformatorische Wende Calvins wird mit der Plakataffäre von 1534 datiert, die seine Flucht aus Frankreich zur Folge hatte. Der Autor betont, dass Calvins Genfer Reformation trotz ihrer weltweiten Bedeutung im deutschen Protestantismus und Religionsunterricht stark unterschätzt wird. Die Genfer Reformation wird als wesentlicher Beitrag zur weltweiten Verbreitung des Protestantismus und zur Überwindung mittelalterlich-katholischen Denkens in der lutherischen Tradition dargestellt. Calvins theologisches Verständnis der Zusammenhängigkeit von Gottes- und Selbsterkenntnis als Herzensangelegenheit wird als besonders relevant für die Religionspädagogik und Persönlichkeitsentwicklung von Schülern der Sekundarstufe 1 erachtet. Der Text argumentiert, dass Calvins Auffassung, wonach die menschliche Identität durch das Vertrauen auf Gott konstituiert wird, eine Brücke zu modernen Lernprozessen bildet. Indirekte Leistungen Calvins werden in der Förderung von religiöser Toleranz, Glaubensfreiheit und einem neuzeitlich-modernen Verständnis religiöser und ethischer Praxis gesehen. Der Artikel plädiert insgesamt für eine stärkere Würdigung Calvins in Geschichtsschreibung und Religionsunterricht und weist auf seine anhaltende Relevanz für zeitgenössische religiöse und pädagogische Fragen hin.