Der Artikel von Udo Schmälzle analysiert Caritas und Diakonie als zentrale christliche Handlungsformen mit tiefen Wurzeln in der biblischen Tradition. Bereits im Alten Testament wird Gott als Anwalt der Armen dargestellt, besonders in Psalm 82, wo die Sorge für Unterdrückte und Bedürftige als Grundpfeiler der Schöpfungsordnung verstanden wird. Jesus setzt diese prophetische Tradition fort, identifiziert sich mit den Marginalisierten und fordert seine Jünger auf, ihm im Dienst am Nächsten nachzufolgen, wie das Fußwaschen-Gleichnis und die Matthäus-Heilungsperikope zeigen. Die frühe Kirche verwirklichte diese Botschaft konkret durch diakonische Praxis, welche Verkündigung und Nächstenhilfe untrennbar verband und entscheidend zum Durchbruch des Christentums in der Antike beitrug. Mit dem Aufkommen scholastischen Denkens im Mittelalter erfolgt eine theologische Verschiebung: Werke der Barmherzigkeit werden primär als Mittel zur Erlangung göttlicher Gnade verstanden, statt als unmittelbare Antwort auf Gottes parteiliche Sorge für die Armen. Der Artikel kritisiert diese Neuinterpretation als Verkehrung der biblischen Forderung und dokumentiert, wie alternative franziskanische Traditionen gegen thomistische Theologien anwirken. Schmälzle betont, dass sowohl der Begriff Diakonie als auch Caritas aus gemeinsamen biblischen Quellen speisen: ersterer verweist auf die pragmatische Handlungsstruktur, letzterer auf die motivierende caritas als agape. Die moderne diakonische Arbeit der Caritas und des Evangelischen Werkes für Diakonie orientiert sich an dieser dreidimensionalen messianischen Praxis auf ökonomischer, politischer und ideologischer Ebene.