Der Lexikonartikel von Kaupp und Markert bietet eine umfassende Analyse des Ehrenamts als dynamisches gesellschaftliches und kirchliches Phänomen. Die Autoren zeigen zunächst die begriffliche Vielfalt und Unschärfe bei der Bezeichnung freiwilligen Engagements auf und definieren Ehrenamt im kirchlichen Raum durch fünf zentrale Kennzeichen: es erfolgt in kirchlichen Einrichtungen, ist freiwillig motiviert, unentgeltlich, solidarisch ausgerichtet und institutionell verankert. Der Artikel verfolgt die historische Genese des modernen Ehrenamts von der Antike über das jüdisch-christliche Erbe der Nächstenliebe, die Säkularisierung karitativer Tätigkeiten, die preußischen Reformen und die bürgerliche Emanzipation bis zur Professionalisierung sozialer Dienste. Besondere Aufmerksamkeit gilt der Frage, wie sich ehrenamtliches Engagement durch Individualisierung, Säkularisierung, Pluralisierung und den demografischen Wandel verändert. Der Text behandelt weiterhin die theologische Grundlegung des Ehrenamts in der paulinischen Charismenlehre und dem allgemeinen Priestertum sowie seine Funktion als Lernort christlich-religiöser Bildung. Die Autoren betonen, dass Ehrenamt ein historisch kontingentes Konstrukt ist, das sich kontinuierlich entwickelt und dessen Bedeutung für die Kirche und Zivilgesellschaft in der Gegenwart wesentlich ist.