Der Artikel von Hubert Klingenberger definiert Erwachsensein sowohl soziologisch als auch psychologisch und verbindet es mit einer Reihe zentraler Kompetenzen wie Selbstbewusstsein, Reflexionsfähigkeit und Beziehungsfähigkeit. Erwachsensein wird damit nicht nur als neutrale Lebensphase beschrieben, sondern als anzustrebende Lebensform mit normativen Ansprüchen. Die traditionelle Normalbiografie mit vorhersehbarer zeitlicher Abfolge ist aufgelöst worden, und Erwachsene werden zu Architekten ihrer eigenen Lebensgestaltung. In der modernen Risikogesellschaft sind Erwachsene kontinuierlichen Unsicherheiten ausgesetzt, die von äußeren Gefahren bis zu sozialpolitischen Veränderungen reichen. Dies führt zu einer Kultur der Unsicherheit, in der Risikomündigkeit – die Fähigkeit, Gefahren abzuwägen und aus Fehlern zu lernen – zur notwendigen Bürgerkompetenz wird. Aus systemischer Perspektive lässt sich das Erwachsenenleben als Wechsel zwischen Phasen hoher Komplexität mit vielen Wahlmöglichkeiten und Phasen geringer Komplexität mit starker Einschränkung beschreiben. In beiden Situationen entstehen existentielle Krisen, die zu jeder Zeit des Erwachsenenalters auftreten können. Je nach Krisenform erfordern Seelsorge, Beratung und Bildung unterschiedliche Interventionen: Bei Orientierungsverlust geht es um Vermittlung von Sinn- und Wertangeboten durch kulturelle und religiöse Traditionen, während bei eingeschränkten Möglichkeitsräumen die Empowerment und Selbstermächtigung im Vordergrund stehen.