Der Artikel von Axel Wiemer befasst sich mit der bibeldidaktischen Vermittlung des Galaterbriefs in der Sekundarstufe, einem Text, der im Religionsunterricht bislang nur marginal behandelt wird. Wiemer argumentiert überzeugend, dass die authentischen Paulusbriefe als älteste christliche Dokumente und einzige Zeugnisse einer Begegnung mit dem auferstandenen Christus aus erster Hand großes didaktisches Potenzial besitzen. Der Artikel beleuchtet die historische Situation des Galaterbriefs (ca. 54 n.Chr.), in der Paulus gegen judenchristliche Missionare argumentiert, die von nichtjüdischen Gemeindgliedern die Einhaltung jüdischer Gesetze forderten. Kernthese des Briefes ist, dass allein der Glaube an Jesus Christus – nicht die Werke des Gesetzes – Gerechtigkeit und Zugehörigkeit zur christlichen Gemeinde begründet. Wiemer zeigt, dass Paulus in scharfer Konfrontation mit seinen Gegnern die Freiheit in Christus gegen juristische und identitätsstiftende Forderungen des Judentums verteidigt, wobei diese Schärfe nicht seinen jüdischen Hintergrund und sein ernstes Anliegen der Liebe verdeckt. Der exegetische Aufbau des Briefs wird nachgezeichnet: Autobiographische Erinnerungen (Berufung, Apostelkonvent, Antiochien-Konflikt) untermauern die göttliche Autorität des paulinischen Evangeliums, der theologische Hauptteil entfaltet die Rechtfertigungslehre, und der paränetische Teil zeigt die ethischen Konsequenzen dieser Freiheit. Abschließend betont Wiemer, dass der Galaterbrief zentrale Fragen der frühen Kirche zur christlichen Identität dokumentiert und damit bis heute bedeutsam für aktuelles christliches Denken bleibt.