Der Artikel von Gabriele Theuer behandelt die Geburtsgeschichten Jesu nach Matthäus und Lukas als zentrale, aber komplexe Thematik des Religionsunterrichts. Die Weihnachtsgeschichte ist kulturell tief verankert, wird jedoch häufig durch die Verschmelzung verschiedener biblischer Quellen und außerbiblischer Traditionen dargestellt, wie das Beispiel der Krippendarstellungen mit den "heiligen drei Königen" zeigt. Der Autor analysiert die theologischen Traditionen beider Evangelien, die in alttestamentlich-jüdischen Messiaserwartungen und hellenistischen Kulturtraditionen verwurzelt sind. Die Geburtsgeschichten funktionieren als Wesenserzählungen, die Jesu Besonderheit von Anfang an ausweisen und prophetische Verheißungen (besonders zur davidischen Herkunft und Geburt in Betlehem) erfüllen. Matthäus betont in seiner Komposition Gottes Initiative und Lenkung durch Träume und Schriftzitate, während die Namen Jesu theologische Bedeutung tragen: "Jesus" verbunden mit Rettung, "Immanuel" mit Gottes Präsenz. Die Magier als Vertreter der Völker kontrastieren mit Herodes und den jüdischen Führern, was die universale Heilsbotschaft herausstellt. Die "Sohn-Gottes"-Prädikation entwickelt sich im Neuen Testament vom Auferstehungsglauben bei Paulus über die Taufe bei Markus bis zur Zeugung durch den Heiligen Geist bei Matthäus und Lukas. Das Weihnachtsfest bietet in seiner populären Form mit Lichtern, Liedern und Krippe ein pädagogisches Potenzial, um diese Erzählungen als verdichtete Christusverkündigung didaktisch fruchtbar zu machen und religiöse Erfahrung zu ermöglichen.